Unvergessen ist, daß man einmal bei uns „das Rattern der Demontagehämmer“ als „die erste europäische Auferstehungs-Melodie“ bezeichnen konnte: Erik Nölting hat dies Wort geprägt. Wenn heute die Frage der Remontagen (und ihrer Systematisierung) zu behandeln ist, darf der Hinweis auf die geistigen Verwirrungen der Vergangenheit nicht fehlen..

Am Anfang stand die meisterhaft planvolle Demontage- und Restitutionspolitik. Aus diesen alliierten Antiproduktionsdiktaten ist weitgehend die innerdeutsche Wirtschaftskrise, heute durch die Korea-Folgen teilweise verschärft, entstanden: Verlust von vielen Zehntausenden von Dauerarbeitsplätzen, künstliche Bildung von Engpässen an entscheidenden Schlüsselstellungen, Exportbremsen um jeden Preis.

Eine gesamtdeutsche Aufgabe wäre es, diese Folgen zu beseitigen, also zu „remontieren“. Zwar sind in den letzten Jahren bereits etwa 200 Mill. DM Remontagekredite in Industrie und Gewerbe geflossen, aber leider ziemlich wahllos und unkontrolliert. Hauptgesichtspunkt war nicht selten das Bestreben föderaler Stellen, das Industriebild innerhalb der eigenen Landesgrenzen zugunsten der Arbeitsbeschaffung und der Versorgungslage zu verbessern, wobei zwangsläufig gegen die Gesetze einer harmonischen Standortfrage verstoßen wurde.

Aus der Industrie heraus ist daher eine Notgemeinschaft reparationsgeschädigter Werke gebildet worden, die überhaupt erst einmal einen Gesamtüberblick über die Schäden zusammenstellte und nun ihrerseits planvolle Gedanken und Wege zur Remontage ausgearbeitet hat: Um sich ein Größenbild zu machen, sei erwähnt, daß die Gesamtanlageschäden (berechnet auf der Preisbasis von 1938) etwa 3,6 Mrd. DM, davon allein 1,9 Mrd. DM an Demontagen, betragen, und daß der Zeitwert dieser Schäden heute etwa 6,5 Mrd. DM, davon allein 3,4 Mrd. DM an Demontagen, ausmacht. Rechnen wir die Reparationen an geistigem Eigentum hinzu, dann ist der Gesamtschaden mit 12 bis 15 Mrd. DM nicht zu hoch veranschlagt.

Ein Remontageplan an 417 Projekten für die nächsten drei Jahre würde 528 Mill. DM erfordern, wovon allein 17 aktuelle Projekte in der eisen- und stahlerzeugenden Industrie 151 Mill. DM erreichen. Projekte, wie Krupp, Thyssen-Hütte, Watenstedt-Salzgitter sind hierbei noch nicht erfaßt. Sie machen für sich fast eine Viertelmilliarde aus.

Aber schon dieses aktuelle, durchaus realisierbare 528-Mill.-Programm würde nach zuverlässigen Berechnungen etwa 100 000 Dauerarbeitsplätze schaffen, die Zahlungsbilanz durch Exportsteigerungen und Importersparnisse um 600 Mill. DM im Jahr verbessern und erhebliche Engpässe im Produktionsapparat beseitigen. 1951 müßten noch etwa 240 Mill., 1952 etwas über 100 Mill. und der Rest 1953 aufgebracht werden.

Obwohl sich die öffentlichen Etats in den nächsten Jahren sicherlich nicht entspannter als die bisherigen zeigen werden, sollte doch von Bund und Ländern das Anlaufen der Remontage planmäßig, im Rahmen „des“ Wirtschaftsprogramms, vorgenommen werden. Aus den 200 Mill. bisher verausgabten Geldern werden in diesem Jahr die ersten Rückflüsse kommen. Die Finanzminister von Bund und Ländern täten gut, diese Rückflüsse bereits jetzt schon als zweckgebunden für neue Ausleihungen zu erklären und darüber hinaus aus den verschiedensten Fonds weitere Mittel zu reservieren. Nur so kommt man zur Harmonie der Produktionsfragen, zur Erweiterung der Engpässe zur Lösung unserer wirtschaftsstrukturellen Sorgen. Rlt.