Die „weihnachtliche Stimmung“ der alten Reichsstadt Nürnberg sei der rechte Rahmen für die 2. Deutsche Spielwarenmesse, meinte Bayerns Ministerpräsident, als er den Marktplatz des Weihnachtsmannes eröffnete. Die Stimmung in den engen Gängen der Ausstellungsgebäude war in den sieben Tagen jedoch kühl geschäftsmäßig. Zwischen Bilderbüchern und Teddybären, Eisenbahnen und Christschmuck, Schlafpuppen und Kinderautos entwickelte sich ein Verkaufsgespräch um Rabatte und Lieferfristen, in das der heiße Atem weltwirtschaftlicher Winde wehte.

Das Ziel der Messe wurde diesmal ebenfalls erreicht. Die Spielzeugindustrie kann jetzt langfristig auf die Saison am Jahresende hin disponieren, wenn auch einige Unbekannte das Wagnis verstärken. Die tatsächlichen Bestellungen lassen in einigen Sparten die Betriebe auf ein halbes Jahr oder mehr beschäftigt sein. Andere haben sich sogar völlig ausverkauft, wie beispielsweise die Nürnberg-Fürther Blechspiel warenindustrie, die ihre Jahresproduktion 1951 wegen der geradezu stürmischen Nachfrage des Auslandes bereits untergebracht hat.

Während die Geschäfte in Büchern usw. sich auf die deutschsprechenden Länder beschränken, geht das mechanische Spielzeug in alle Welt: England und Schweden liegen an der Spitze. Gummibälle gehen nach Peru, Kanada, in den Nahen Osten. Christbaumschmuck halten sich die USA mit einem 75prozentigen Schutzzoll vom Leibe, während sie Stoff- und Plüschspielwaren reichlich hereinlassen. Beneluxländer, Neuseeland, Australien, Indien und Pakistan gaben größere Aufträge, die mehrfach schon als Einzelaufträge eine Viertel Mill. DM überschritten. Angesichts dieser erheblichen Steigerung des Umsatzes im Verhältnis zum Vorjahr wird die bereits vor der Messe laut gewordene Befürchtung noch drängender, ob denn auch genügend Rohmaterial beschafft werden könne. Im Vorjahr hatte noch niemand daran gedacht, daß die Pappe wieder einmal Engpaß sein würde. Spiele und Puppen, Blechspielzeug und Christbaumschmuck, Bilderbücher und Eisenbahnen brauchen dieses Erzeugnis aber in ihrem Innern oder als exportwichtige Umhüllung. Nach den Beneluxländern gehen die Waggonladungen heute schon ohne Verpackung ab. Auch das geprägte Blech ist ein knappes Erzeugnis. Dennoch glaubte der Referent des Bonner Ministeriums angesichts der offenkundigen Exporterfolge wirksame Unterstützung zusagen zu können. Den blinkenden Glaskugeln am Lichterbaum fehlen Kupfer und Silber; Gummibälle brauchen knappen und teuer gewordenen Kautschuk. So erklärt sich, daß freibleibende Preise und unbestimmte Liefertermine vereinbart werden mußten. Vor allem aber wird jetzt nach Abschluß der Messe ernsthaft geprüft, ob nun die Aufträge weh verwirklicht werden können. r