Während das Düsseldorfer Schauspielhaus

Louise Dumonts 1932 erlöschen mußte, erfuhr das Bochumer Theater Saladin Schmitts – die zweite Rangkoordinate der westdeutschen Theaterprovinz in der ersten Jahrhunderthälfte – seine offizielle Bestätigung erst in den dreißiger Jahren, Der heroische Monumentalstil, die festspielhafte Reihung von Klassikerzyklen in einer Arbeiterstadt des Ruhrgebiets, das oratorische Pathos und das ausladende Schaugepränge entsprachen dem Geschmack von Machthabern, die Saladin Schmitt gewiß zu seinem eigenen Erstaunen heimsuchten. Seine geschichtliche Leistung entsprang nämlich legitimen, literarisch-humanistischen Quellen. Sie mündete in eine Kulturschöpfung, die der Bühnenkunst soziologisch Neuland erschloß.

Die Gründung und dreißigjährige Leitung des Bochumer Theaters (1919 bis 1949) war das Werk eines bewahrenden Geistes, Dem revolutionären Theater der zwanziger Jahre stellte er die betonte Pflege Shakespeares, Goethes und Schillers entgegen, denen später Kleist, Hebbel, Grillparzer und Grabbe folgten. Es war logisch, daß Saladin Schmitt seit 1927 dem Vorstand der Deutschen Shakespeare Gesellschaft angehörte und 1943 sogar zu ihrem Präsidenten gewählt wurde. (Er blieb es bis zu seinem Tode.) Als praktischen Erfolg konnte der literarische Intendant die Bildung eines beispielhaft aufgeschlossenen und treuen Schauspielpublikums in der traditionslosen Industriestadt buchen. Der „Bochumer Stil“ hat sich zwar inzwischen überlebt. Beispielhaft wirkt aber auch in die Gegenwart hinein das besondere Talent Saladin Schmitts mit dem er als gleichzeitiger Opernintendant von Duisburg (1921 bis 1935) die einzige glücklich verlaufene Theaterehe zweier benachbarter Großstädte begründete und durchhielt. Dieses Beispiel zu studieren, dürfte gerade heute an vielen Stellen den über ihre Verhältnisse lebenden Bühnen Nutzen bringen.