Von unserem Berliner Korrespondenten

K. W. Berlin, Mitte März

Von Karfreitag bis Ostern wird in Ostberlin die „Europäische Arbeiterkonferenz“ tagen. Diese neue Konferenz baut auf dem Welt-Friedensrat auf, der vor einigen Wochen gleichfalls in Ostberlin stattfand. Sie ist eine neue sowjetisch gesteuerte Organisation. Die Osterkonferenz hat einen sehr speziellen Auftrag ob. Sie soll das vor einigen Wochen von den französischen Friedenspartisanen neu vorgebrachte Projekt, Deutschland wieder zum Exerzierfeld des Morgenthau-Plans zu machen, detaillieren und unterstützen. Die gesamte Industrie in der Bundesrepublik soll als Rüstungsindustrie angeklagt werden, und kommunistische Arbeiterdelegationen aus allen europäischen Ländern sollen Projekte für Sabotage an der deutschen Wirtschaft beraten.

Durch die „Arbeiterkonferenz“ soll ferner die Absicht weiter verfolgt werden, Ostberlin immer stärker zum Ausgangspunkt sowjetischer Bemühungen in Deutschland und in Europa zu machen. Der Arbeiterkonferenz ist der Weltfriedensrat vorausgegangen. Die kommunistische Weltfrauen-Föderation, die ihren Sitz in Paris aufgegeben hat, hat Ostberlin zu ihrer Zentrale gewählt. Der kommunistische Weltstudentenrat hat gleichfalls in Ostberlin eines seiner wichtigsten Büros errichtet. Und für den Sommer des Jahres soll mit den kommunistischen „Welt-Jugendfestspielen“, zu denen man eine Beteiligung von zwei Millionen Teilnehmern erzwingen will, der kommunistische Pfingstauf marsch von 1950 überboten werden. Demgegenüber vermißt Berlin um so schmerzlicher die Repräsentation der deutschen Bundesrepublik. In einer erbitterten Debatte des Berliner Abgeordnetenhauses wurde von allen Parteien festgestellt, daß die Bundesregierung von ihren Zusagen, Bundesbehörden nach Berlin zu bringen, nicht eine eingehalten habe. Berlins Regierender Bürgermeister, Reuter, konnte dagegen, von seiner Amerikareise zurückgekehrt, die Mitteilung mitbringen, daß die Vereinigten Staaten in Berlin Deutschland am gewichtigsten dargestellt sähen. Die sichtbare Bedeutung, die Moskau Ostberlin im Kampf um Europa zuteil werden läßt, sollte die Bundesregierung endlich dazu bewegen, Berlin stärker als bisher zu einem Schwerpunkt der deutschen Politik zu machen.