Von H. H. Solf

Auf der ganzen Welt ist das Fett knapp, soweit es aus den bisherigen Quellen gewonnen wird. Nun kann man zwar Fett aus Kohle gewinnen, doch steht der Aufwand in keinem Verhältnis zum Erfolg, zumal der verwandte anorganische Stoff, die Kohle, für andere Bedürfnisse des Menschen wichtiger ist. Es galt also, eine neue Fettquelle ausfindig zu machen, die nicht auf Kosten ihres gesamten Nahrungsvorrats, wie das tierische Fett, sondern ohne Inanspruchnahme zusätzlicher organischer Substanz produziert und darüber hinaus nicht an bereits genutzte Erdoberfläche gebunden ist.

Diese Überlegungen waren es, die den Göttinger Botaniker Professor Harder bewegten, als er sich im Pflanzenreiche umsah. Er ging auf der Stufenleiter der Flora immer tiefer, bis er in den Mikroorganismen an der untersten Grenze organischen Lebens einen Angriffspunkt für seine Versuche fand. Es ist ja bekannt, daß ein Mikroorganismus wie die Hefe organische Substanzen, wie Molke, Melasse oder Zucker, in Fett umsetzen kann. Im Kreise dieser kleinsten Einzeller entspricht nun das Plankton am besten den Voraussetzungen für die Fettgewinnung: es wandelt sich – allein mit Licht und Wasser und den darin enthaltenen Stoffen – in hochwertiges Fett um. Wenn man bedenkt, daß das nur im Mikroskop sichtbar werdende Plankton das ausschließliche Nahrungsmittel des Walfisches ist, kann man über seinen Nährwert sicher nicht mehr streiten! Dieses alles war Professor Harder bekannt, es ging ihm nun darum, ob die Fettgewinnung aus diesen sogenannten Diatomeen in großem und größtem Umfange möglich sei. Er suchte zunächst einen Stamm, der zur „Mast“ am besten geeignet erschien. In erweiterten Laborversuchen setzte er diese Kieselalgen auf Glaswolle in wassergefüllte Glasröhren, die mit einer Durchlüftungsvorrichtung versehen waren. Das Wasser bestand aus einer Erdabkochung mit Zusätzen von Mineralien und Vitamin C. Unter der Einwirkung von natürlichem und künstlichem Licht baute nun die Alge das gewünschte Fett auf. Nach 14 Tagen war der Prozeß beendet und das Rohprodukt, in Aussehen und Geruch wie Spinat, mundete Professor Harder und seinen Assistenten als vortrefflicher Brotaufstrich! Weitere Versuche ergaben genaue Unterlagen für die praktische Verwendbarkeit des eingeschlagenen Verfahrens, wobei die künstliche Beleuchtung die Erträge ganz erheblich ansteigen ließ. Auf eine Versuchsfläche von 1/20 Hektar bezogen, wurden folgende Vergleichszahlen mit den häufigsten Ölfrüchten ermittelt:

Sonnenblume. ... 15 kg Fett im Jahr

Mohn ...... 30 „ „ „ „

Rübsamen 35 „ „ „ „

Winterraps45 „ „ „ „