Egon Caesar Conte Corti hat bereits durch verschiedene Bücher den Ruhm erworben, Historie quellentreu darzustellen und dabei doch den einem breiten Publikum bekömmlicheren Ton romanhafter Erzählung zu finden. Sein neuester Band über das Leben der zehnten Tochter Maria Theresias bestätigt wiederum diese Fähigkeiten und gibt einen (besonders das Privatleben an der Wiener Hofburg nicht auslassenden) Einblick in die Verhältnisse rund um die Donaumonarchie vor und nach der Französischen Revolution.

Cord nennt seine breit angelegte Biographie über Marie Karoline, die mit sechzehn Jahren an den nur ein Jahr älteren Ferdinand I., König beider Sizilien, verheiratet wird, „Ich, eine Tochter Maria Theresias (Verlag F. Bruckmann, München, 810 S., 104 Abb., Leinen DM 19,80). Schon dadurch rückt er die beiden Anliegen seines Buches in das rechte Licht. Einmal soll gezeigt werden, daß von den sechzehn Kindern Maria Theresias diese Tochter ihr am meisten nachschlug, zum andern, daß die bis ins Alter temperamentvolle Frau während einer der politisch bewegtesten Zeiten ihre Rolle zu spielen wußte. Die verbissene Energie, mit der sie sich für das Wohl ihres Landes und die Ehre der Dynastien einsetzte, trug ihr von dem von ihr meist gehaßten Mann die bezeichnende Titulierung „Medea“ ein. Dieser Mann war kein geringerer als Napoleon, der in der wohl oft unbedachten, aber stets handelnden Königin einen Gegner von Format erkannte. (Goethe, der 1787 Neapel besuchte, bemerkte von diesem Format allerdings noch nichts. Er weiß über das Herrscherpaar nichts anderes zu berichten, als daß der König auf der Jagd und die Königin guter Hoffnung ist.) Marie Karoline spinnt ihre Fäden erst in späteren Jahren allen spürbar in das Geflecht der europäischen Politik ein, wozu auch gehört, daß sie (eingedenk des Wahlspruchs der Habsburger) es ungleich Medea verstand, von ihren vielen Töchtern eine auf den österreichischen Kaiserthron und drei auf Königsthrone zu setzen. schl.