Benzin und Diesel-Öl werden ab 1. April, was die Menge betrifft, die der Verbraucher kaufen darf, frei. Es gibt nur noch eine Preisbindung, die der Bundeswirtschaftsminister als sein Gesetz im Bundestag Schiffbruch erlitt (siehe unsere letzte Ausgabe: „Benzinscherze“) auf dem Verordnungsweg für einen Monat erlassen hat. Noch besteht nämlich in Bonn die Hoffnung, daß ab 1. Mai wieder oder weiter – wie man’s nimmt – bewirtschaftet werden kann.

Ob der Wirtschaftsminister verordnen darf, das mögen die Kronjuristen klären. Den Verbraucher interessieren erst einmal die Preise: höchstens 68 Pf darf der Liter Benzin kosten, 3 Pf. mehr als bisher. Und Diesel darf je Kilogramm um 4 Pf auf 49 Pf klettern. Man könnte meinen, das „schwarze“ Benzin, die Ware ohne Marken also, trifft sich mit dem Bewirtschaftungsbenzin auf einer mittleren Ebene, seitdem infolge der Preissteigerungen für Roh- und Fertigware, wie die Produzenten erklären, die Kalkulationsgrundlagen für „weißes Benzin“ schon seit einigen Wochen nicht mehr stimmen. So einfach ist die Sache aber nicht.

Der Verkauf durch das ZB, das Zentralbüro für Mineralöl, dem praktisch alle einschlägigen Unternehmen angehören (die mit dem Büro außerdem noch durch eine – von den Behörden verordnete – „Anbietungspflicht für Kraftstoffe“ verbunden waren), hört am 1. April auf. Die Konkurrenz der Firmen untereinander beginnt. Und „Sprit“ ist, zumindest für die nächsten drei Monate bei Benzin, für einen Monat bei Diesel, zur Genüge „da“. Die Versorgung für die folgende Zeit erscheint – macht die Devisenpolitik keinen Strich durch die Rechnung – auch gesichert. Theoretisch kann also Benzin unter Höchstpreis angeboten werden – je nach Zone. Denn die Frachten zwischen den Versorgungszentren um Hamburg und Duisburg und den Verbraucherplätzen können jetzt „frei“ berechnet werden. München beispielsweise wird also mehr bezahlen müssen als Hannover.

Aber die gesetzlose Zeit und das Verschwinden des ZB berührt nicht nur Mengen und Preise, es kann auch die Qualität beeinflußt werden. Vorerst werden zwar die im Verkauf wieder selbständig gewordenen Unternehmen die vom ZB zurückgekauften Bestände, deren Qualität „im Schnitt“ gleich ist, auf den Markt bringen. Aber was dann? Die knappen Devisen nur zum Kauf von Benzinen mit hoher Oktanzahl zu verwenden, hieße: Devisen verschleudern. Denn gebraucht wird zur Deckung des Bedarfs jeder Kraftstoff, gleichgültig welcher Qualität. So wird man zwangsläufig gute und schlechte Benzine weiter mischen und/oder mit Blei und Benzol aufbessern müssen. Nur – Befehle oder Gesetze fehlen dafür. Absprachen mit dem Wirtschaftsministerium über „Technische Ausschüsse“ mögen sinnvoll sein. Doch werden sich die Unternehmen, frei wie sie jetzt sind, daran halten? Die „graue Konkurrenz“ wird kaum ausbleiben, W–n