Die französischen Gewerkschaften stehen – mit einer Ausnahme natürlich – dem Gedanken eines westeuropäischen Pools für Kohle, Eisen und Stahl positiv gegenüber.

Mit einer Ausnahme also: die kommunistische Gewerkschaft ist in der Tat ein erklärter Gegner. Sie hat ihre feindliche Stellung mit den gleichen Gründen motiviert, die den anderen gewerkschaftlichen Organisationen Frankreichs den Plan eben wünschenswert machen. Als Teil des Weltgewerkschaftsbundes, dieses kleinen Satelliten Sowjetrußlands, mußte wohl die kommunistische C. G. T. gegen alles sein, was eine Förderung der westeuropäischen Länder bedeutet. Freilich verliert die Ansicht der kommunistischen Gewerkschaft bei den Arbeitermassen in Frankreich immer mehr an Bedeutung.

Aber warum stehen die Centrale Force Ouvière und auch die Centrale Syndicale Chrétienne positiv zu dem Plan? Die Antwort lautet ganz einfach: Weil sie wissen, daß so die europäische Gemeinschaft gefördert wird. Sie wollen, daß, in einem gesicherten Frieden, die Völker Europas zusammenarbeiten und sich nicht unnötige Konkurrenz machen. Unsere europäischen Nationen sind zu klein; sie sind zu eng in ihre Grenzen hineingepreßt; ihre nationalen Grenzen stimmen nicht mehr mit den Erfordernissen der modernen industriellen Welt überein. Europa als eine Produktionseinheit, eine Markteinheit, eine wirtchaftlicbe Weltmacht: das ist das, was erreicht werden soll und kann. Die europäische Zusamwenarbeit ist die erste Voraussetzung für ein. gemeinsames Wiederauferstehen, für eine Hebung des Lebensstandards, speziell für die Verbesselung des Daseins der Arbeiterschaft.

Dieser „Plan Schuman“ ist ein Instrument des wirtschaftlichen und des sozialen Fortschritts. Er bietet uns eine rationale Ordnung an Stelle von Improvisationen. Unter Beteiligung der Confederation Internationale des Syndicats libres haben die Gewerkschaften der teilnehmenden Länder an dem jetzt aufgeführten Bau eingehend mitgearbeitet. Die Gewerkschaftsbewegung wünscht auch in den einzelnen Institutionen, die nunmehr geschaffen worden sind, mitzuarbeiten. Gewerkschaftler werden im Rat der Hohen Behörde sitzen, gleichberechtigt mit Produzenten und Verbrauchern. Diese Dreiheit, die technisch notwendig ist, hat unsern Beifall: Dies ist eine Form, die Interessen in den associations auszugleichen, die als Bindeglied zwischen der Hohen Behörde und der Vielzahl der Eisen- und Stahlunternehmer vorgesehen sind. Die Teilnahme von Gewerkschaftlern gibt den Arbeiters! die Gewähr zweckmäßiger Entscheidungen.

Wirtschaftlich muß der Plan einer rationellen Ausweitung der Kohlen- und Hütten-Erzeugung, einer reichlichen Belieferung der Märkte, dienen, er muß Angebot und Nachfrage, bei konstanter Expansion, in einem ökonomischen Gleichgewicht halten. Sozial erwarten wir von ihm, daß die Ausnutzung der Arbeit in miteinander konkurrierenden Unternehmen aufhört, und daß die Schwankungen im Beschäftigungsstand nachlassen. Welche Unternehmen umgestaltet werden müssen, welche zu schließen sind: das wird eine wichtige Aufgabe der Hohen Behörde sein. Sie muß koordinieren, „umschalten“, und sie muß dafür sorgen, daß, bei aller Rationierung, die eventuelle Freisetzung von Arbeitern unter den bestmöglichen Bedingungen erfolgt, daß also jeder künftig bei. neuer, Arbeit besser leben kann. Gleichzeitig soll der Plan erreichen, daß die anderen Arbeiter, die nicht, bei Kohle und Stahl beschäftigt sind, in ihrem Lebensstandard diesen Gruppen angeglichen werden. – So ist. die Konzeption, Also auch aus materiellen Gründen haben die Gewerkschaften den Plan mit Freude aufgegriffen.

Die Montanunion wird nur dann zur vollen Wirkung kommen, wenn sich ihr, früher oder später, andere identische Konstruktionen anschließen: auf dem Gebiet des Transports, der Elektrifizierung, der Landwirtschaft etwa. Die moderne Gewerkschaftsbewegung, die konstruktiv sein will und nicht verneinend, die es auf sich genommen hat, zu ihrem Teil wirtschaftlich verantwortlich mitzuarbeiten, wird in dieser Arbeit für Europa ein weites Aktionsfeld finden.