Kurz vor Vollendung seines 80. Lebensjahres und kurz bevor er nach dem Urteil seiner politischen Splitterrichter wieder „gedurft“ hätte, ist in seinem Schweizer Refugium Professor Dr. h. c. Willem Mengelberg gestorben. In Holland, das ihn nicht mehr, hören wollte, widmete man dem Dahingeschiedenen lange, preisende Nachrufe, in die man entlastende Erklärungen und Entschuldigungen für seine politischen Fehltritte einflocht. Wäre es nicht besser gewesen, man hätte diesen Entlastungsmotiven schon vor Jahren entscheidendes Gewicht beigelegt? Sein Respekt vor der deutschen Kultur, seine Liebe zur deutschen Musik soll ihn für den bösartigen Charakter des Naziregimes blind gemacht haben. Gewiß war es so – und also war der ehemalige Freund und Vorkämpfer Gustav Mahlers, dem ja außer dieser Naziblindheit nichts vorzuwerfen war, nicht „schuldig“ im Sinne der Straffälligkeit. Jedenfalls hat dieser Meister des Taktstocks – einer der ehrlichsten, sachlichsten und diszipliniertesten seines Fachs – schlechten Dank geerntet für den Ruhm, den er seinem Lande und speziell dem Amsterdamer „Concert-Gebouw“ in jahrzehntelanger künstlerischer Arbeit einbrachte. th