Monsieur Canonge, der Präsident der CGA – Confederation Generale de l’ Agriculture dem wir den nachfolgenden Beitrag verdanken, hat sich darin, was die Prognostik der künftigen Gemeinschaftsarbeit in der westeuropäischen Landwirtschaft angeht, eine gewisse diplomatische Zurückhaltung“ auferlegt. Diese erscheint, angesichts der exponierten Stellung unseres Autors – zumal hier, wo er als Franzose zu Deutschen spricht – zwar verständlich; andererseits aber ist das Gespräch über den „Agrarpakt“ bereits soweit gediehen, daß durch einen derartigen Hinweis wohl kein Schaden angerichtet werden, kann. Insbesondere hat sich ja auch die deutsche Landwirtschaft durch ihre berufenen Vertreter bereits im Sommer 1950, auf der Stockholmer Tagung, für eine europäische Zusammenarbeit stark gemacht. Seitdem ist der gleiche Gedanke mehrfach neu aufgegriffen worden: nicht nur durch die Minister Pflimlin und Petsche, von Paris her, sondern auch durch die Niederländer (speziell die Minister Stikker und Mansholt), ferner von belgischer Seite, und schließlich auch durch Minister Pella (Rom). Es sind also starke Interessen am Werke, um den „zweiten Plan“ durchzusetzen, das heißt zunächst seine Beratung in Angriff zu nehmen. Soeben hat der Europa-Rat die Einladungen zu einer Konferenz an seine Mitglieder und auch an die OEEC-Länder Österreich, Schweiz und Portugal hinausgehen lassen.

Die französische Landwirtschaft, „die erste der heimischen Industrien“, die durch den Krieg schwer betroffen wurde, arbeitet seit fünf Jahren an ihrem Wiederaufbau. Nach einer langen Zeit des Mangels war das Nahrungsproblem unter besonders schwierigen Bedingungen zu lösen. Es kam darauf an, den Erfordernissen des Augenblicks zu begegnen. Dies war die erste Etappe, vielleicht die am wenigstens ausgeglichene; es war aber auch die Etappe, die es ermöglichte, nach zwei Jahren Arbeit erneut ein Produktionspotential zu erreichen, das dem Bedarf der Bevölkerung genügte.

Die Probleme, die danach auftauchten, waren besonders schwer. Die immer noch große Knappheit an Düngemitteln, der schlechte Zustand und die bedenklich verringerte Anzahl der Geräte und Maschinen, der Brennstoffmangel, die zerstörten oder verfallenen Gebäude – dies alles waren Gegebenheiten, die scharf die schwierige und oft beängstigende Lage der französischen Landwirtschaft kennzeichneten.

Zu diesem Zeitpunkt begann die Regierung, unterstützt von den in der Confederation Generale de l’Agriculture zusammengefaßten Berufsorganisationen, die Modernisierung und Ausrüstung der Landwirtschaft. Der Monnet-Plan zeigte die Tatsachen am und gab die Ziele an.

Gleichzeitig mußte die Versorgung mit Düngemitteln gesichert, der Schlepperpark erneuert und vergrößert, der Viehbestand verbessert und ergänzt werden. Auf dem Gebiet des Kredits und der Investitionen mußte eine geeignete Finanzierung gesichert werden. Große Bewässerungs-, Sanierungs- und Flurbereinigungsarbeiten waren zu leisten, und der Genossenschaftsbewegung war ein neuer Aufschwung zu geben.

Nicht alle Fragen fanden dabei die erwünschte Lösung; aber die Entwicklung der französischen Landwirtschaft zeigt in den jetzt vorliegenden Ergebnissen, wie erfolgreich doch letztlich die Politik des wirtschaftlichen Wiederaufbaus war.

Für zahlreiche landwirtschaftliche Produkte – Obst und Gemüse, Wein, Fleisch, Getreide, Zucker – ist Frankreich, stärker als es 1939 der Fall war, ein Überschußgebiet. Daher ergibt sich das neue Problem, daß die französische Landwirtschaft sich für den Teil ihrer Produktion, der jetzt ausgeführt werden kann, auf ausländischen Märkten einen nachhaltigen Absatz verschaffen muß.