Gerade vor zehn Jahren, am 6. April 1941, ergriff die Kriegsfurie Jugoslawien und liquidierte diesen Staat innerhalb weniger Tage. Dem Ausbruch des Krieges war am 27. März 1941 ein Militärputsch in Belgrad vorangegangen, geleitet von dem Luftwaffengeneral Simowitsch und bejubelt von der Bevölkerung, die von dem zwei Tage zuvor in Wien unterzeichneten Beitritt Jugoslawiens zum Dreimächtepakt nichts wissen wollte. Angesichts der Katastrophen, die im Gefolge des Putsches nach und nach über dieses Land hereinbrachen, hat inzwischen, besonders unter den jugoslawischen Emigranten eine erbitterte Auseinandersetzung darüber stattgefunden, ob der Staatsstreich vom 27. März eine Aktion verantwortungsbewußter Patrioten oder ein Narrenstreich verantwortungsloser Ehrgeizlinge gewesen sei. In den letzten Jahren hatte das allgemeine Urteil immer mehr der zweiten Auffassung zugeneigt, und in dem Maße in dem das Tito-Regime in Belgrad den 27. März als kommunistischen Feiertag für sich reklamierte, verlor dieser Gedenktag für die Emigranten an Interesse.

Heute kann man sich auf Grund einer Veröffentlichung, die der frühere jugoslawische Ministerpräsident Dragischa Zwetkowitsch zusammen mit anderen bedeutenden Politikern in Paris herausbrachte, zum erstenmal ein klares Urteil bilden. In dieser Veröffentlichung ist nämlich ein Zirkulartelegramm von Nintschitsch, dem Außenminister in der Putschregierung, an die jugoslawischen Missionen vom 3. April 1941 abgedruckt, wonach die Regierung die Gesandten Deutschlands und Italiens davon unterrichtet hat, daß sie „dem Prinzip der Achtung abgeschlossener Verträge und daher auch dem am 25. März 1941 in Wien unterzeichneten Protokoll (über den Beitritt Jugoslawiens zum Dreimächtepakt) treu bleibt“. Das angebliche Ziel der Putschregierung Simowitsch: die Befreiung von den Klauseln des Dreimächtepakts, war also vergessen, sobald die Putschisten an die Regierung gelangt waren. Dies steht nunmehr außer Zweifel: der Staatsstreich hatte in der Tat keinen anderen Sinn, als die Putschisten für einige Tage an die Macht zu bringen und den Boden für die Entwicklung zu bereiten, aus der allein der Kommunismus Nutzen gezogen hat, H. A.