Während man in Saarow-Pieskow am märkisehenScharmützelsee eine enteignete Villa zum Quartier für eine Propagandakompanie junger Schriftsteller herrichtete, die in einem vierwöchigen „Seminar“ für die Sommerfestspiele der kommunistischen Weltjugend geschult werden sollen, trafen sich am Starnberger See fünfzig in der Bundesrepublik ansässige Autoren zu einem „Schriftstellergespräch“ mit vier Kulturfunktionären aus der Sowjetzone. Man kam überein, eine „gesamtdeutsche Zeitschrift auf der Basis der Einheit der deutschen Literatur ins Leben zu rufen“ vorbereiten sollt Johannes R. Becher, Ernst Penzoldt und zehn andere.

Befremden und kräftige Bedenken gegen die fünfzig blieben nicht aus, und der Verfasser der „Powenzbande“ war genötigt, sich und die übrigen neunundvierzig vor der Vermutung in Schutz zu nehmen, sie wären den Machenschaften eines von Moskau gesteuerten Gangs zum Opfer gefallen. Ein Schriftsteller müsse doch, verteidigte sich Ernst Penzoldt in der „Süddeutschen Zeitung“, außer den Gedanken der anderen auch deren Physiognomien betrachten können. Das gehe nur im Gespräch, und dabei sei gewiß nichts Befremdliches, denn: „Wenn man sich mit einem Indianer unterhält, heißt das noch lange nicht, daß man eine Rothaut werden möchte.“

Es hatte aber niemand gemeint, Penzoldt oder sonst einer habe am Starnberger See den Rubikon nach Osten überschreiten und sich zum Sowjetsystem bekehren mögen (dazu wäre am Scharmützelsee die Versuchung größer). Der Einwand richtete sich gegen die vorschnelle Gutwilligkeit zu „Gesprächen“, weil solche von den östlichen Partnern als Infiltrations-Gelegenheiten wahrgenommen zu werden, pflegen und auch in Starnberg wahrgenommen wurden, wie der Zeitschriftenplan beweist. Hier hat Penzoldt nur das Argument der Naivität: Er hat nichts dergleichen befortsetzen. „Nicht mit Funktionären, sondern mit Menschen.“ Er hat also auch nicht bemerkt, daß sowjetdeutsche Funktionäre die Fähigkeit haben müssen, sich, wenn sie nach Starnberg kommen, als Menschen zu tarnen.

Wenige Tage nach dem Starnberger Gespräch legte ein Ostberliner Schriftsteller, Horst Lommer, die Funktionärsmaske ab, fuhr nach Charlottenburg zum Büro des Kongresses für kulturelle Freiheit und bekannte sich der jahrelangen schmählichen Lüge schuldig. Es mag noch geraume Zeit dauern, bis Bredel, Hermlin, Huchel und Uhse, die vier Starnbergfahrer, ihm folgen. Einstweilen werden sie es vorziehen, als Rothäute das physiognomische Interesse Penzoldts und anderer PEN-Mitglieder wachzuhalten. Lew.