Am Hafenkai in Tunis hängen einträchtig nebeneinander zwei Plakate, von Italienern angeschlagen. Das eine wirbt für die Kommunistische Partei Italiens und zeigt mit der Jahreszahl XXX (seit Gründung der Partei – wie bei den Faschisten!) die Köpfe der beiden Kommunistenführer: Gramsci und Togliatti. Darunter steht in großen Lettern: Trent anni di Cotta del partito communista italiano per la libertà, il lavoro, la pace! – Tutti uniti per la pace!“ – Daneben das Plakat der Democrazia Christiana d’Italia mit einem silbernen Ritter, der ein Banner, zusammengesetzt aus den Fahnen aller nichtkommunistischen Staaten der Welt in seiner gepanzerten Faust hält; hier ist zu lesen: Patto Atlantico diffenderanno la pace e la libertà del mondo!

Noch ein drittes Plakat ist daneben zu sehen. Keine Partei hat es aufgehangen; in großen Buchstaben kündigt es an: / Maestri Cantori von Richard Wagner in deutscher Besetzung unter Karl Böhm im Teatro San Carlo in Neapel. Dort nach Neapel fährt auch der Dampfer. Wenn die Leinen losgeworfen sind, und das Schiff zittert unter den ersten Stößen der Maschine, verlöschen die Lichter Afrikas in der Dämmerung. Und da ich jene Aufführung der „Meistersinger“ in Neapel miterlebte, weiß ich, daß es noch andere Propaganda als politische Plakate gibt. Als um Mitternacht in dem prunkvollen Teatro San Carlo die letzten Takte der „Meistersinger“ verklangen, da brach ein Jubel aus, wie ihn selbst dieses an Ovationen gewohnte Haus wohl nur selten erlebt hat. Wohl jeder begriff, daß es eine Sprache gibt, die nicht verfälscht werden kann und von allen richtig verstanden wird: die Sprache der Musik, der Kunst als erhebendes und einigendes Mittel für Frieden und Freiheit in der Welt!