Daß es so viele Osterbräuche wie deutsche Landschaften gibt, ist schön und ein Zeichen von lebendiger Kultur. Daß es demnächst in Deutschland noch mehr verschiedene Schulsysteme als Osterbräuche geben wird, ist unschön und läßt auf Erstarrung schließen. Eingeführte und widerrufene Schulreformen jagen aneinander vorbei, je nachdem die Wahlen ausfallen. Der Schulseparatismus der Bundesländer nähert sich dem Zustand vor Gründung des Zollvereins. Übersiedlung von einem Land ins andere scheitert vielfach daran, daß Kinder zwei Schuljahre verlieren müßten, und die Hauptstadt Bonn müßte Bundesregierung und Bundestag ausquartieren, wenn sie Raum für alle Schulgattungen haben wollte, nach denen die Kinder der Bundesbeamten bisher erzogen worden sind. Diese Groteske des Föderalismus schreit geradezu nach einer Analogie zum Reichsschulgesetz von 1920, und es ist kein Zeichen für die Vernunft der Ministerien und Parlamente, daß nicht von ihnen die Initiative zu einer solchen Korrektur ausgeht, sondern von einer Nachwuchsgruppe, der Arbeitsgemeinschaft der Studienassessoren. Sie hat bei einer Ostertagung die Einrichtung einer ständigen Bundesschulkonferenz verlangt, die die Vorstufe zu einem Bundeskultusministerium werden könnte.

Die Einheit des deutschen Schulwesens ist eine Sache, die Einheitsschule eine andere. Wer auf die Einheitsschule eingeschworen ist (so die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Lehrerverbände, eine Abteilung des Deutschen Gewerkschaftsbundes), dem ist es gleichgültig, ob das deutsche Schulwesen auseinanderfällt, wenn nur die regionalen Einheitsschulen bleiben. Auch diese Arbeitsgemeinschaft hat zu Ostern getagt und eine Entschließung angenommen. Sie „lehnt die zur Zeit geübte Methode ab, das Schulwesen dem Wechselspiel knapper parlamentarischer Mehrheiten auszuliefern und damit die Schule durch überstürzte Maßnahmen in dauernde Unruhe zu versetzen.“

Das ist so zu verstehen: daß 1947 etwa in Schleswig-Holstein oder in Berlin die Grundschule um zwei bis acht Jahre verlängert wurde, war die wohlüberlegte Anbahnung einer „verheißungsvollen Entwicklung“. Wird aber nun in denselben Ländern die Grundschule wieder auf vier Jahre verkürzt, so ist das nicht eine Angleichung an das in den meisten Bundesländern Geltende, sondern eine „überstürzte Maßnahme“, die „pädagogisch und staatspolitisch“ (so steht es da: „staatspolitisch“!) „nicht zu verantworten ist.“

Unverantwortlich ist aber nur die Zerspaltung. Und gerade sie wird dadurch herbeigeführt, daß SPD-Mehrheiten in Länderparlamenten sich, was Schulfragen betrifft, auf den „Sozialismus in einem Lande“ zu versteifen lieben. C. E. L.