Joseph Berliner und sein berühmter Erfinderbruder Emil, beide gebürtige Hannoveraner, gründeten am 6. Dezember 1898 die Deutsche Grammophon-Gesellschaft in Hannover. Diese noch heute in Hannover ansässige Gesellschaft, die erste Herstellerin von Schallplatten in Europa, ist in den 52 Jahren ihres Bestehens zu großem internationalen Ansehen aufgestiegen. Ihre Marken „Grammophon“, „Polydor“ und „Brunswick“ sind führend im In- und Ausland, insbesondere wegen ihres hohen künstlerischen und technischen Qualitätsstandes.

Das Unternehmen konnte 1950 seinen Vorkriegsumsatz erheblich überschreiten. Die modernisierten Anlagen des Werkes Hannover waren befriedigend ausgenutzt. Kapazitätsreserven, die ein weiterer moderner Industriebau noch 1951 verstärken soll, stehen für die Erweiterung der Produktion zur Verfügung. Auf dem Inlandmarkt konnte die Gesellschaft ihre führende Stellung infolge der Repertoire-Erweiterung, die durch Neuengagements von Künstlern und Orchestern ermöglicht wurde, weiter ausbauen. Das Auslandgeschäft ist wieder auf 12 v. H. des Gesamtgeschäftes angewachsen. Es werden laufend fast alle westeuropäischen Länder und viele andere Länder der Welt beliefert. Zu Beginn dieses Jahres hat die Deutsche Grammophon Gesellschaft die Bearbeitung des Marktes von USA und Kanada aufgenommen, nachdem sie ein Vertriebsabkommen und einen Matrizenaustausch mit Decca Records Inc. New York abgeschlossen hat. Diese Verbindung ist deshalb besonders interessant, weil sie zwischen einer der größten und angesehensten amerikanischen Schallplattengesellschaft, die bisher im wesentlichen nur auf dem Gebiete der populären Musik arbeitete, und der größten deutschen Gesellschaft, die aus Tradition ein besonderes Ansehen auch auf dem Gebiete der klassischen Musik genießt, geknüpft wurde. Diese Zusammenarbeit wird unter Aufrechterhaltung der Selbständigkeit beider Gesellschaften, ohne daß eine gegenseitige Beteiligung den rein amerikanischen bzw. rein deutschen Charakter der Vertragschließenden beeinträchtigt, erfolgen.

Die gesamte Auslandsarbeit des Unternehmens wird deutscher Kunst und deutschen Künstlern in verstärktem Maße wichtige Märkte der Welt wieder eröffnen und den Kulturaustausch zwischen den verschiedenen Nationen aktivieren helfen, abgesehen von den wertvollen Deviseneinnahmen, die diese Arbeit Deutschland neu erschließt. Die anläßlich der letzten Deutschen Funkausstellung von der Gesellschaft herausgebrachte volldynamische Langspielplatte 78, die durch variable Mikrograde eine fast doppelte Spieldauer erreicht, hat sich auf dem Inland- und auch auf verschiedenen Auslandmärkten gut eingeführt. Diese Platten lassen bei nicht unwesentlicher Geldersparnis. den Käufer in den Genuß einer längeren Spieldauer kommen, ohne ihn zu dem Kauf eines neuen Apparates, eines neuen Tonabnehmers oder anderer als der normalerweise benutzten Nadeln zu zwingen. Der weitere Ausbau des Repertoire der volldynamischen Langspielplatte 78 wird verstärkt betrieben.

Mit seiner „Archiv“-Produktion beabsichtigt das musikhistorische Studio der Deutschen Grammophon-Gesellschaft, das bisher außerordentlich vernachlässigte Gebiet der alten Musik reproduktionstechnisch zu erschließen. Um den Wünschen von Musikhochschulen, Musikstudierenden und anderen ernsthaften Interessenten nachzukommen, hat die Gesellschaft sich entschlossen, einer kleinen Anzahl besonders hervorragender Schallplattenfachgeschäfte diese „Archiv“-Produktion, die ursprünglich nur für die interne Entwicklungsarbeit des musikhistorischen Studios der Gesellschaft bestimmt war, zum Verkauf zu überlassen. – Die beachtlichen Leistungen, die die Deutsche Grammophon-Gesellschaft in den Jahren nach Kriegsschluß erreichen konnte, und die sie wieder in die alte Rangstellung einer der geachtetsten internationalen Schallplattengesellschaften zurückführten, konnten dank der aufopfernden Mitarbeit einer zum Teil seit vielen Jahrzehnten und zum Teil in der zweiten Generation treu verbundenen Belegschaft erreicht werden. Ingenieure, Künstler, Physiker, Chemiker, Werkmeister und Arbeiter sind unermüdlich am Werke, um die Erzeugnisse der Gesellschaft laufend auf dem höchsten Stand der Technik zu halten und den internationalen Ruf Hannovers als Herstellungsort hochqualifizierter Schallplatten auch in Zukunft zu bewahren. Be.