An dem gleichen Tage, Ende März, an dem Israels Außenminister Mosche Scharett den Botschaftern der Vereinigten Staaten und Englands ein Aide Mémoire über „die ernste Lage der Juden im Irak“ überreichte, richtete Franklin D. Roosevelt jr. in New York einen Appell an die Juden Amerikas, durch Geldspenden sicherzustellen, daß 65 000 Juden, die bis zum 31. Mai den Irak verlassen müssen, aus Bagdad abtransportiert werden können. Damit wurde die Aufmerksamkeit der Welt auf die Lage der Juden im Irak gerichtet. Dort befanden sich bei Ausbruch des arabisch-jüdischen Krieges etwa 125 000 Juden. Um die immer stärker werdende illegale Auswanderung und die sich hieraus ergebenden politischen Schwierigkeiten mit den Nachbarländern zu unterbinden, hatte das irakische Parlament im März 1950 ein Gesetz verabschiedet, nach dem es jedem Juden freisteht, aus dem Irak auszuwandern. Jeder Bewerber muß eine Erklärung unterschreiben, in der es heißt: „Ich erkläre bewußt und aus freien Stücken, daß ich mich entschlossen habe, den Irak für immer zu verlassen.“ Den Auswanderern wird gestattet, Gepäck bis zu sechzig Pfund mitzunehmen; dagegen soll die Transferierung von Geld, Edelmetallen und Schmuck erst in einem Friedensvertrag geregelt werden. Die Folge dieser Bestimmungen war, daß die wohlhabenden Juden von der Möglichkeit, auszuwandern, keinen Gebrauch machten, während sich mehr als 100 000 Besitzlose zu den Registrierungsbüros drängten.

Jedoch dem Abtransport der Auswanderer, der auf dem Luftweg erfolgen sollte, stellten sich große Schwierigkeiten entgegen. Die irakische Regierung erklärte, daß sie eine direkte Auswanderung nach Israel nicht zulassen könne, da sich beide Länder de jure noch im Kriegszustand befänden. Die englischen Behörden in Cypern genehmigten zwar daraufhin, daß die Flugzeuge der Eastern Air Lines die Auswanderer nach Nicosia bringen dürften, doch nur unter der Bedingung, daß sie von dort sofort nach Israel weiterbefördert würden. Die Regierung in Tel Aviv endlich beschränkte im Rahmen ihres Einwanderungsprogramms die monatliche Quote aus dem Irak auf 5000.

Unter diesen Bedingungen begannen die Eastern Air Lines im Mai 1950 das „Unternehmer Ali Baba“, durch das bis zum 31. Mai 1951 etwa 100 000 Juden aus Bagdad über Cypern nach Israel befördert werden sollen. Zu Beginn vollzog sich alles reibungslos. Bald ergaben sich aber durch den ständig wachsenden Zustrom von Einwanderern nach Israel Schwierigkeiten, denen die israelischen Behörden nur durch Herabsetzung der monatlichen Einwanderungsquote begegnen konnten. Hinzu kam, daß es an den finanziellen Mitteln zur Durchführung eines regelmäßigen Lufttransportes fehlte, so daß Anfang März von den 104 000 Auswanderern noch 64 000 in Bagdad auf ihren Abtransport warteten.

Nunmehr verabschiedete das irakische Parlament – offenbar in der Absicht, einen Druck auf Israel zur Beschleunigung des Abtransportes auszuüben – Anfang März ein neues Gesetz, wonach die Vermögen aller Juden, die ihre irakische Staatsangehörigkeit aufgegeben hatten, „eingefroren“ wurden. Dieses Gesetz veranlaßte den Außenminister Israels zu heftigen Angriffen gegen die irakische Regierung und zu der Erklärung, Israel werde von der Entschädigungssumme, die es für das von Arabern in Israel zurückgelassene Eigentum zugesagt habe, die von der irakischen Regierung „eingefrorenen“ Beträge abziehen. Eine weitere Demarche des Außenministers bei den Botschaftern der USA und Englands wird hoffentlich zur Folge haben, daß England die Transitbestimmungen in Cypern erleichtert und in den Vereinigten Staaten die Mittel aufgebracht werden, um das „Unternehmen Ali Baba“ beschleunigt zu Ende zu führen.

Andernfalls könnte die Welt das Schauspiel erleben, daß die 15 000 Juden, denen der Perserkönig Kyros vor 2500 Jahren die Rückkehr in das Land ihrer Väter, aus dem sie von Nebukadnezar vertrieben worden waren, gestattet hatte, schneller von Babylon nach Jerusalem gelangten als ihre Nachkommen, denen die viermotorigen Skymaster der Eastern Air Lines zur Verfügung stehen. Ernst Krüger