Als im Jahre 1930 die Wilhelm-Busch-Gesellschaft wie die Tochter Zeus’ aus dem Haupte des Heimatbundes Niedersachsen entsprang, begann auch bald, soweit nicht bereits angefangen, eine Sammelei von Zeichnungen, Bildern, Bildergeschichten, Briefen, Manuskripten und Erinnerungen aller Art von und über den Meister Wilhelm Busch, so daß nach wenigen Jahren ein Museum und Archiv fällig waren, damit alles gut aufbewahrt und zugänglich gemacht werden könnte. Dem Schöpfer dieser Sammlung, Emil Conrad, gelang es, im Jahre 1937 von der Hauptstadt Hannover ein am Georgsplatz günstig gelegenes Haus aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts für die Wilhelm-Busch-Gesellschaft zu bekommen. Dort konnte man sich einige Jahre lang an den zusammengetragenen Schätzen erfreuen. Mit Beginn des Krieges schloß das Museum, wie andere Museen, seine Pforten, die Bilder und Handzeichnungen wurden gesichert und wanderten höchstens noch zu Ausstellungen nach Straßburg, Wien und anderwärts aus. Auf der Höhe des Krieges konnte alles Wertvolle in Buschs Sterbehaus nach Mechtshausen ausgelagert werden, gerade zur rechten Zeit, denn nach dem großen Brand von Hannover im Oktober 1943 konnte ein Pfiffikus an den Sockel dieses Hauses am Georgsplatz nur noch schreiben: „Hier sieht man seine Trümmer rauchen, der Rest ist nicht mehr zu gebrauchen!“

Jahrelang waren die Sachen in der Verbannung und wurden wiederum nur zu Ausstellungszwecken im Lande Niedersachsen und dann auch in der Schweiz, ja selbst in Bristol, verwandt. Da zeigte sich die Hauptstadt Hannover zum zweiten Male höchst großzügig und stellte für ein neues Museum das Wallmoden-Palais im Georgengarten zur Verfügung. Dieses 1780 bis 1782 für den Reichsgrafen Johann Ludwig von Wallmoden-Gimborn erbaute Schlößchen hat eigentlich von vornherein der Aufbewahrung von Kunstschätzen gedient. Der Reichsgraf, der gern und viel auf seinen Reisen sammelte, hatte dort seine wertvolle antike Sammlung wie auch Gemälde untergebracht. Nach Wiederherstellung des durch den Bombenkrieg stark mitgenommenen Hauses wurde dort in einigen Räumen am 9. Januar 1950 das Busch-Museum dem Publikum übergeben. „Hier herrschen Schönheit und Geschmack, hier riecht es angenehm nach Lack!“ Immer neue Räume sind hinzugekommen, und da finden wir nun alles wieder, was uns an Busch erfreuen kann: die kostbaren Gemälde von der Antwerpener Zeit an bis in die 90er Jahre, die mannigfaltigen Zeichnungen, Plastikarbeiten, in Vitrinen Stücke zeichnerischer Kleinkunst, Briefe, Manuskripte, Erinnerungsstücke aller Art, Photographien und dann die schönsten seiner Bildergeschichten: Max und Moritz, Fips, der Affe, Schnurrdiburr oder die Bienen sowie einige ältere Bildergeschichten, wie der Eispeter. Wieviel mehr gibt doch das Original wieder als jeder noch so gut gemeinte Druck!

Wilhelm Busch redivivus! Vor just 100 Jahren am 9. März 1851 verließ er die angesehene Polytechnische Hochschule Hannover mit der Notiz: „Abgegangen, um in Düsseldorf Maler zu werden ...“ Walther Lampe