Frantisek Cap, der junge tschechische Filmregisseur, dessen „Nachtfalter“ im Jahre 1941 auf der Biennale preisgekrönt wurde und der nach dem Krieg noch mit „Männer ohne Flügel“ eine zumindest vom rein Filmischen her ungewöhnliche Epopöe der tschechischen Résistance drehte, ist vor einiger Zeit aus politischen Gründen nach dem Westen geflohen. Nach den vom leicht konfusen Drehbuch her getrübten, dafür aber optisch um so glänzenderen „Kronjuwelen“ lief jetzt in vielen Städten Westdeutschlands sein zweiter deutscher Film an: „Das ewige Spiel“, mit Willy Birgel, Cornell Borchers und Will Quadflieg.

In eine konventionelle Rahmenhandlung mit dem üblichen Ehedreieck (unbefriedigte Frau zwischen vielbeschäftigtem Großindustriellen und leidenschaftlichem Künstler) sind drei historische Legendenspiele eingeblendet. In der „Glockengießer-Legende“ (um 1500) hält man den Liebhaber für den Satan und verbrennt die Frau als Hexe. In der „Kruzifixus-Legende“ (1661) gibt sie sich dem Patrizier hin, um den Arzt und die Medikamente für ihren geliebten Bildhauer bezahlen zu können; als sie mit dem Geld zu ihm zurückkommt, ist er inzwischen gestorben. In der „Duell-Legende“ (1850) schließlich wird der, den sie geheiratet hat, von dem, den sie abwies, erschossen; sie selbst aber verliert darüber den Verstand. Wie Cap diese Story in die Atmosphäre des alten Regensburg einbaute, wie er die nächtlichen winkligen Gassen zum optischen Gleichnis einer ausweglosen menschlichen Situation werden ließ, wie er den Hexentaumel vor dem Scheiterhaufen mit steinernen Teufelsfratzen und grinsenden Wasserspeiern kontrastierte, wie die verschneite Waldlichtung des Duells fast zu einer makabren Traumlandschaft wurde, wie seine allegorischen Visionen immer wieder das gewohnte Filmschema sprengten, das alles hat ihn als einen Regisseur von überragendem Stilgefühl gezeigt, der, wenn er endlich einmal an logischere und geschlossenere Drehbücher geraten sollte, zu einer Hoffnung der deutschen Filmkunst werden könnte. Ulrich Seelmann-Eggebert