In der Buchholz Gallery in New York werden in einer Ausstellung die Bilder gezeigt, die Max Beckmann in seinem letzten Lebensjahr gemalt hat. Den Mittelpunkt bildet das Triptychon „Die Argonauten“, das zuerst „Künstlerleben“ heißen sollte, und dessen Entstehung der Katalog an Hand von Tagebuchauszügen ergreifend miterleben läßt. Der linke Flügel war ursprünglich als einzelnes Bild gedacht und zeigt einen Maler hinter seiner Leinwand in eifriger Arbeit. Der rechte Flügel gibt das Motiv der Damenkapelle, das Beckmann seit Amsterdam immer wieder beschäftigte, in freier, großartiger Abwandlung, die das schmale Hochformat souverän in Raum verwandelt, vielleicht als Lob der Musik zu deuten. Das Mittelstück – 2 zu 1,25 Meter messend! – greift noch einmal das Motiv der stehenden Jünglinge am Strande auf, das bereits in einem frühen Bild auftaucht. Sonne, Mond und Sterne leuchten am Himmel über der Gruppe auf. Auf dem Boden liegen Leier und Schwert. Ein Riesenvogel hockt unheimlich auf dem Arm des Jünglings rechts, an dessen Kopf Beckmann einmal zwölf Stunden in einem Stück arbeitete, wie er am 16. Dezember 1950 im Tagebuch vermerkte. Am 26. Dezember, einen Tag vor dem Tode, notierte er: „Schnee fällt, den ganzen Tag gearbeitet, und wieder an dem ‚Kopf‘.“ Am Abend kurz vor Mitternacht zeigte er seiner Frau das Triptychon und sagte: „Ja, jetzt ist es gut, es hat sich gelohnt. Jetzt keinen Pinselstrich mehr daran – zum Schluß habe ich es doch geschafft.“

Die kleineren Bilder der Ausstellung zeigen eine stärkere Tendenz zur Flächigkeit als bisher. Auf dem letzten Selbstbildnis, Kniestück, stehend, die Zigarette im Mund, ist auch die berühmte schwarze Kontur aufgelöst. Der rätselhafte „Vogelverkäufer“, die bewegungsträchtige „Ansicht von San Franzisko“ und das „Träumende Mädchen“ von blühender Sinnlichkeit zeigen, daß Beckmanns Schaffenskraft bis zuletzt ungebrochen war. Ein Teil der Bilder wird im Juni auf der großen Beckmann-Ausstellung in München zu sehen sein, leider aber nur eines der Triptychen, „Blindekuhspiel“, Eigentum von Frau Beckmann. Die amerikanischen Besitzer der späten Triptychen haben sich nicht entschließen können, dieses eigentliche Altersvermächtnis Max Beckmanns den Deutschen zugänglich zu machen. Erhard Göpel