Als ich Evi vor einigen Wochen auf einem Kostümfest traf, sah sie reizender aus als je. Sie hatte sich als Griechin zurechtgemacht und schleppte einen Mann hinter sich her, der offensichtlich hündisch verliebt in sie war. Meiner Aufmerksamkeit entging nicht, daß sie ihn schlecht behandelte und seinen stürmischen Annäherungsversuchen beim Tanz mit Kühle auswich.

Bald darauf traf ich sie wieder. „Evi“, sagte ich, „auf dem Ball hatte ich den Eindruck, daß Sie sich bald verloben werden. Ein intelligentes Mädchen wie Sie tanzt nicht eine ganze Nacht immer mit demselben Mann, der ihr gar nicht so besonders sympathisch ist, wenn sie nicht etwas Vernünftiges mit ihm vorhat.“ Listig sagte ich das, um sie zum Reden zu bringen, denn ich weiß, daß sie gern heiraten möchte.

Evi sah mich etwas unsicher und betrübt an, plötzlich blitzte es in ihren grauen Augen, und sie sagte fundamental: „Es gibt ja gar keine Männer!“

Evi ist ein hübsches Mädchen. Sie ist nicht in Pelze gehüllt, aber im Rahmen ihrer Möglichkeiten sehr nett und geschmackvoll gekleidet. Und sie hat, was gewiß nicht zu verachten ist, sehr gute Manieren. Mit Evi kann man sich sehen lassen, das ist keine Frage. Manchmal sieht sie ein bißchen görenhaft aus, trotz ihrer 24 Jahre. Mit großer „Aufmachung“ am Abend kann sie es aber schaffen, auch ein wenig älter auszusehen, was – nebenbei – ihr großer Ehrgeiz ist („Mich nimmt niemand ernst...“). Ziemlich entschlossen sucht sie seit zwei Jahren nach einem Mann. Nach einem Mann zum Heiraten. Seit zwei Jahren wundere ich mich, daß sie keinen findet.

„Sie stellen zu viele Ansprüche, Evi“, erwiderte ich. „Sie wollen eine Vernunftehe eingehen, das ist schwer. Sie stellen ein Programm auf, und dann passen die Männer bald nicht zu der einen, bald nicht zu der andern und bald zu gar keiner Ihrer Absichten. Sie müssen sich verlieben, und dann ist alles gleich viel einfacher!“

„Ja, aber ich kann mich doch nicht programmgemäß verlieben! Und außerdem habe ich mit der Liebe keine besonders guten Erfahrungen gemacht.“

Das ist allerdings wahr. Denn die Evi sich entschloß zu heiraten, hatte sie sich einmal ganz stürmisch verliebt – oder war in eine Gefühlswoge geraten, die sie für Liebe hielt. Damals stellte sie gar keine Bedingungen; es machte ihr nichts aus, daß der Mann um mehr als 15 Jahre älter, auch nicht, daß er verheiratet war, ja nicht einmal, daß er eine zwar mit ihm gleichaltrige, aber sehr elegante und gescheite Frau hatte. Wäre Evi ein bißchen klüger gewesen, dann hätte sie sich gleich sagen können, daß sie für diese Konkurrenz zu schwach war. Sie aber war jung und verliebt, sie wollte ja auch gar nicht eine Ehetragödie hervorrufen und wollte nicht heiraten; eine Frau von Ende dreißig kam ihr mit ihren 22 Jahren „alt“ vor; sie wußte nicht, welchen Reiz gerade diese Frauen auf viele, vielleicht auf die meisten Männer ausüben; seither hat sie das gelernt, sie hat eine enorme Hochachtung vor der „Frau von vierzig Jahren“.