Werner Beumelburg: Hundert Jahre sind wie ein Tag. Roman einer Familie (Oldenburger Verlagshaus, Oldenburg, 551 S., Leinen DM 9,80). – Nach jahrelangem Schweigen das erste Buch des früher vielgelesenen Publizisten: der Weg einer rheinischen Bürgerfamilie vom Bismarckschen Zeitalter bis zur Katastrophe von 1945. Die Hauptgestalten sind ein hoher protestantischer Geistlicher der wilhelminischen Epoche, ein Diplomat, der am 30. Juni 1934 umkommt, ein Geiger, dessen Hand im Kriege verstümmelt wird, und eine Schriftstellerin, die in Frankreich eine zweite Heimat findet. Der weit ausladende Ton der Erzählung stimmt nicht immer zu dem präzise gebauten und zeitgeschichtlich aufschlußreichen Handlungsgerüst.

Georg von der Vring: Und wenn du willst, vergiß (R. Piper & Co., München, 411 S.). – Die Umwege einer Liebe von der ersten Begegnung 1916 bis zum endgültigen Zusammenfinden 1946: ein deutscher Architekt und eine englische Pianistin begegnen einander im Lazarett, gehen nach dem Kriege eigene Wege, nehmen Abschied, seine Ehe scheitert – erst nach dem deutschen Zusammenbruch wird der Bund geschlossen. Die dichterische reife Erzählung kommt wie aus durchsichtiger Ferne, in einer Abgeklärtheit, die in eigentümlicher Spannung zu den oft lebhaften Geschehnissen steht.

Ruth Hoffmann: Die schlesische Barmherzigkeit (Verlag Gustav Kiepenheuer, Köln/Berlin, 427 S., Leinen DM 9,80). – Liebevoll gezeichnetes Porträt einer schlesischen Arbeitertochter, deren angeborene Dienstbereitschaft selbst in den widrigsten Umständen Güte und Kraft ausstrahlt und nach der Vertreibung aus der Heimat sich in der neuen Umgebung sogleich als „schlesische Barmherzigkeit“ bewährt. Versponnenheit und Tatkraft des schlesischen Menschenschlages sind in vielen überzeugenden Einzelzügen festgehalten.

Ottfried Graf Finckenstein: Schwanengesang. Roman einer versunkenen Heimat (Nymphenburger Verlagsanstalt, München, 600 S., Leinen DM 7,80). – Lebensbilder ostpreußischer Adelsfamilien aus der Kaiserzeit in umständlicher Breite entwickelt. Allzu idyllische Rückblicke auf eine untergegangene Welt. Der Roman ist als erster Band eines Ostpreußen-Zyklus gedacht.

Erich Glahn: Die Eben des Elard Sobeck (bei Franz Schneekluth in Celle, 727 S.). – Ein pommerscher Familienroman und zugleich ein Roman der ostelbischen Landschaft von der Jahrhundertwende bis zur Austreibung aus der Heimat 1945. Der sehr behäbige Fluß der Erzählung steht in krassem Gegensatz zur bewegten Dramatik der Ereignisse.