Um 26 000 englische Pfund ging es in der vergangenen Woche vor einem amerikanischen Gericht der Alliierten Hohen Kommission in Frankfurt/Main. Diese Summe verlangt die Hamburg-Südamerikanische Dampfschiff fahrts-Gesellschaft von der in Liquidation befindlichen JEIA, der einstigen alliierten Export-Import-Agentur. Anlaß der Forderung ist der Verkauf des Hamburg-Süd-Dampfers „General Osorio“ durch die JEIA an eine britische Schrottfirma. Das Schiff war in Kiel versenkt und nach dem Kriege von Bergungsfahrzeugen gehoben worden, um anschließend den britischen Schrottmangel beheben zu helfen. Für diesen Verkauf soll die JEIA nach Ansicht der Hamburg-Süd 26 000 Pfund Sterling erhalten haben.

Es wird wahrscheinlich sehr schwierig sein, die 26 000 Pfund herauszubekommen, zumal Mister Hanneman, der als Vertreter der Alliierten Hohen Kommission an der Frankfurter Verhandlung teilnahm, leider der Ansicht ist, daß „die JEIA ein Element der Hohen Kommission sei und somit Immunität genieße“. – Obwohl wir diese für die Hohe Kommission immerhin reichlich peinliche Formulierung in dieser Deutlichkeit bisher noch nicht gehört hatten, kann sie uns kaum überraschen. Diese befremdliche Feststellung ist hinsichtlich des schlechten Rufs, dessen sich die JEIA-Institution in Deutschland und selbst im Auslande erfreute, nur eine Bestätigung der bisherigen Erfahrungen. Mit aller Deutlichkeit wurde dann auch von dem Vertreter der Hamburg-Süd, dem amerikanischen Anwalt G. C. Anderson, einst Oberst der US-Army und JEIA-Experte für Textilimporte, gesagt, daß bei Zivilklagen von einer Immunität der JEIA auf Grund ihrer Rechtsstellung wohl keine Rede sein könne.

Hoffentlich schließt sich das US-Gericht in Frankfurt recht bald dieser doch sehr vernünftigen Auffassung an. Man vertagte sich zunächst, ohne einen neuen Termin festzusetzen. we.