Von Ernst Krüger

Präsident Truman hat den 14. April zum „Panamerikanischen Tag“ erklärt. Zur Erinnerung an die vor 61 Jahren erfolgte Gründung der „Panamerikanischen Union“ sollen an diesem Tage überall in den Vereinigten Staaten Feiern stattfinden, um der Welt „die engen Bande der Freundschaft zwischen dem Volk der Vereinigten Staaten und den Völkern der anderen zwanzig amerikanischen Republiken“ vor Augen zu führen.

Die enge Aufeinanderfolge der gerade beendeten Außenministerkonferenz der 21 interamerikanischen Staaten und des „Panamerika-Tages“ erfolgte offenbar in der Erkenntnis, daß die Diplomatenkonferenz in Washington nicht geeignet war, als Demonstration für eine Veränderung zu dienen. Die Resonanz in den Herzen der Völker Amerikas, die die Konferenz nicht wecken konnte, soll nun der „Panamerika-Tag“ hervorrufen.

Auf der Tagesordnung der Konferenz in Washington, deren Resolutionen für die einzelnen Staaten nur empfehlenden, nicht aber bindenden Charakter haben, standen folgende drei Hauptthemen: Erstens: die politische und militärische Zusammenarbeit bei der Verteidigung der amerikanischen Hemisphäre. Zweitens: die Verstärkung der inneren Sicherheit der amerikanischen Republiken. Drittens: die Förderung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit der lateinamerikanischen Länder mit den Vereinigten Staaten. Die schnellste Erledigung fand der Punkt zwei durch einstimmige Annahme der sogenannten „Washington Deklaration“. In ihr wird die Solidarität des amerikanischen Kontinents gegen den Kommunismus bekräftigt. Alle Staaten sollen ihre innere Sicherheit durch Schutzmaßnahmen gegen Spionage, Sabotage und kommunistische Umtriebe verstärken. Weniger leicht war hingegen eine Einigung über Grad und Umfang der militärischen Verteidigung der amerikanischen Hemispäre. Den Nordamerikanern kam es nicht nur auf eine Verstärkung der Wehrmacht der einzelnen lateinamerikanischen Staaten an. Sie legten vielmehr besonderen Wert darauf, daß diese Länder einen Teil ihrer Streitkräfte auch zur Unterstützung von UNO-Aktionen außerhalb. des amerikanschen Kontinents zur Verfügung stellen. Die Rede Trumans am Eröffnungstag der Konferenz, Achesons zahlreiche Ausführungen im Verlauf der Tagung, die Darlegungen des Verteidigungsministers Marshall und hoher Offiziere vor den im USA-Verteidigungsministerrium versammelten Außenministern, eine Rede von John Foster Dulles und schließlich die Rede des französischen Staatspräsidenten Auriol vor dem Plenum der Konferenz waren auf dieses Ziel abgestimmt. Meldungen über das Auftreten „fremder Truppen“ in der Mandschurei, über Truppenkonzentrationen in Nordkorea, deren Höhe auf 65 Divisionen angegeben wurde, die Erklärung des amerikanischen Befehlshabers der UNO-Truppen in Korea, General Ridgway, über eine „ernste Lage“ und eine „bevorstehende Krisis“, dies alles ließ denn endlich auch den Widerstand einer unter Führung von Mexiko, Argentinien und Guatemala stehenden Gruppe dahinschwinden. Die Außenminister stimmten einer Resolution zu, der zufolge jedes Land seine Rüstung verstärken und Sondereinheiten für die gemeinsame Vertedigung der westlichen Hemisphäre und für UNO-Aktionen in anderen Gebieten bereitstellen soll.

Die größten Schwierigkeiten ergaben sich in Punkt drei in der Frage der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Während die Nordamerikaner nur ein kurzfristiges Programm zur Sicherstellung der rüstungswichtigen Lieferungen südamerikanischer Rohstoffe aufstellen wollten, wünschten die lateinamerikanischen Staaten eine umfassende langfristige Regelung ihrer wirtschaftlichen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten. Ihr Widerstand gegen eine nur die gegenwärtige Lage berücksichtigende Regelung gründete sich auf die Erfahrungen aus dem zweiten Weltkrieg. Damals nämlich schmolzen die großen Dollarguthaben der einzelnen Länder in den Vereinigten Staaten durch die ständig steigenden Preise für USA-Industrieprodukte wie Schnee in der Sonne dahin. Der Kampf in dem Wirtschaftskomitee

der Washingtoner Konferenz ging daher jetzt in erster Linie um eine USA-Garantie für ein festes Verhältnis zwischen Rohstoffpreisen und Industrieprodukten. In den Verhandlungen kam es zu schweren Zusammenstößen. Es ist daher nicht verwunderlich, wenn die Resolution über die wirtschaftliche Zusammenarbeit, auf die die Außenminister sich schließlich einigten, keine feste Zusagen, sondern nur gegenseitige Erklärungen enthält. Danach wollen die lateinamerikanischen Teilnehmer sich für eine Erhöhung der Produktion strategisch wichtiger Rohstoffe in ihren Ländern einsetzen. Als Gegenleistung wollen die Vereinigten Staaten langfristige Verträge und Anleihen zur Unterstützung von Entwicklungsprogrammen geben. Die Vereinigten Staaten wollen auch versuchen, die Lieferung von Mangelwaren nach den lateinamerikanischen Ländern aufrechtzuerhalten und diese Länder in Fragen der Festsetzung von Ein- und Ausfuhrquoten sowie von Preisen konsultieren!

Es ist kaum anzunehmen, daß die Regierung der lateinamerikanischen Staaten von dem Ergebnis der Konferenz in Washington sehr befriedigt sind und sich beeilen werden, die einzelnen Empfehlungen in die Tat umzusetzen. Es ist kaum anzunehmen, daß der von Truman proklamierte „Panamerikanische Tag“ daran etwas ändern wird...