Dem früheren Prager Physiker Dr. Ronald Richter wurde vom argentinischen Staatspräsidenten Perón die höchste Auszeichnung, die Perónista-Medaille, verliehen. Dafür, daß Dr. Richter in einem geheimen Laboratorium auf einer einsamen Insel auf eine ganz neue Weise Atomenergie gewonnen hat, ohne das heute so teuer gewordene Uran. Natürlich wäre das Ende des Uranmonopols für die Erzeugung von Atomenergie von weltweiter Bedeutung. Angeblich haben führende Physiker ernste Zweifel an diesen Meldungen geäußert. Der Naturwissenschaft und Technik gegenüber aber soll man mit einem Wort sehr vorsichtig sein, mit dem Wort: Das geht nicht. Um ein Beispiel für ein sicheres Ignorabimus anzuführen, behauptete einst der Begründer des Positivismus, Auguste Comte, die Menschen würden niemals die chemische Zusammensetzung der Sterne erfahren können. Die Spektralanalyse des Sternenlichts liefert sie uns so genau, daß wir das Element Helium zunächst einmal auf der Sonne fanden. Auch von der Existenz der Atomenergie konnte die Welt vor der Entdeckung des Radiums nichts ahnen. Und noch 1938 behaupteten die Physiker mit gutem Grund, daß den Menschen die Gewinnung von Atomenergie verschlossen sei. Aber Otto Hahns Entdeckung der Spaltung von Uranatomen durch Strahlen aus Neutronen brachte im Januar 1939 den Umschwung der Anschauung. Und am 2. Dezember 1942 gewann der Mensch zum ersten Male die kosmische Energie aus dem Innern der geknackten Uranatome. Bislang hat es noch keine andere Methode zur Gewinnung von Atomenergie gegeben.

Doch zeigt uns die Natur einen andern Weg, den nachzuahmen uns bisher nicht gelungen ist. Das gesamte Leben unserer Erde, wird getrieben von den 1000 Billionen Kilowattstunden, die sie täglich mit den Sonnenstrahlen empfängt. Lange war es eine ungelöste Frage, woher eigentlich diese ungeheuren Energien stammen, die die Sterne ständig in den Kosmos strahlen. Heute kennen wir ihre Quelle: Atomenergie. Aber ein Stern ist kein Uranbrenner. Vielmehr verläuft der Atomenergie liefernde Prozeß gerade umgekehrt: Atome werden nicht gespalten, sondern auf gebaut. Die Atomkerne bestehen ich einer Anzahl von Uratomen, die teils ungeladen, Neutronen, und teils mit positiver Elektrizität geladen sind, Protonen. Was sich nun in der Sonne vollzieht, das ist der Aufbau des Heliumatoms aus vier Wasserstoffatomen. Diese Synthese vollzieht sich unter Abgabe von Energie, Wenn ein Kilo Wasserstoff zu Helium verbrennt, werden 180 Millionen Kilowattstunden geliefert! Die Schwierigkeit aber besteht darin, die Atomkerne überhaupt erst einmal zusammenzubringen. wegen ihrer elektrischen Ladung stoßen sie sich mit Kräften ab, die 1000 Quadrillionen mal so groß sind wie die Schwerkraft der Erde. Nun herrscht im Zentrum der Sonne eine Temperatur von 20 Millionen Grad. Und bei dieser gewaltigen Temperatur ist die Wärmebewegung der Atome so heftig, daß die elektrische Abstoßung überwunden wird. Sie stoßen zusammen und kernchemische Umsetzungen finden, statt. Der vorherrschende Prozeß scheint darin zu bestehen, daß sich nacheinander vier Wasserstoff – kerne einem Kohlenstoffkern anlagern und dann vereint als Heliumkern abfallen.

Angeblich ist Dr. Richter nunmehr ein solcher Prozeß der Kernsynthese getangen. Mit einzelnen Atomen haben die Physiker das schon früher gemacht. Um ganze Substanzmengen umzusetzen und die damit freiwerdenden Energiemengen zu gewinnen, ist aber nötig, daß die Kernreaktion selbsttätig durch die ganze Substanz durchläuft. Die Kernumsetzung muß eine Kettenreaktion sein, die sich von Atom zu Atom fortsetzt. Und bisher kannten wir nur eine einzige kernchemische Kettenreaktion: die Uranspaltung.

Worin die Kettenreaktion der „thermischen“ Kernsynthese von Dr. Richter besteht, das ist sein Geheimnis. Die Heliumsynthese, so wie sie sich auf der Sonne vollzieht, ist es keinesfalls. Es liegt nahe, in einen einfachen Kernprozeß zu denken, der ungeheure Energie liefert. Das ist die Synthese eines Isotops, des leichtesten Metalls, des Lithiums, das chemisch in die Reihe von Natrium und Kalium gehört, mit dem schweren Wasserstoff, dem Deuterium, zu Helium. Die Verbrennung von einem einzigen Gramm Lithium liefert 100 000 Kilowattstunden: das ist der Heizwert von 12 Tonnen Kohle. Aber woher nimmt Dr. Richter die Temperatur von einigen Millionen Grad, die in der Mitte der Sterne durch den Gravitationsdruck der ungeheuren Massen erzeugt wird? Wird die diesen Temperaturgraden entsprechende Wärmebewegung der Kerne mit den hochfrequenten elektrischen Schwingungen von Radarsendern erzeugt? Das ist alles noch Geheimnis, und Physiker in aller Welt werden sich an die Arbeit machen, um dem kühnen Pionier Dr. Richter auf die Spur zu kommen. B. Lammerz