Messen und Sonderveranstaltungen machen uns schmerzlich klar, wie wenig Platz wir in den Städten bereits für unsere Autos haben. Eine Ausstellung oder ein zugkräftiges Sportereignis genügen schon, das Zentrum einer Großstadt hoffnungslos mit Wagen zu verstopfen. Die Produktionsziffern der Werke und Statistiken über die Neuzulassungen runden dieses Bild noch ab. Vom Kriegsende bis Dezember 1950 sind rund 130 300 neue Personenwagen auf den Straßen der Bundesrepublik erschienen. Wenn es so weitergeht, wird der Parkplatz in der „City“ bald zu einer seltenen und teuer vermieteten Kostbarkeit werden ...

Die Verantwortlichen versuchen, sich die Erfahrungen der USA zunutze zu machen, wo über 35 Millionen Autobesitzer die Vorzüge der Motorisierung schätzen und ihre Nachteile fürchten lernten. Auch hier hat man ähnliche Sorgen und Nöte. Laternengaragen sind eine weitverbreitete Einrichtung, und die Anekdote von dem Mann, der selbst am Himmelstor ein Parkverbotzeichen fand, ist nach wie vor aktuell. – Wie rückt man im autoreichsten Land der Welt dem Parkproblem zu Leibe? Man fand Lösungen, die sich mit entsprechenden Abwandlungen auf unsere Verhältnisse übertragen lassen. Auffällig sind beispielsweise die privaten Parkplätze.

In den Geschäftsvierteln der Städte aber wurde das Parken zu einer Art moderner Krankheit. Wo Millionen Menschen täglich zusammenströmen, ist kein Platz mehr für die wartenden Wagen. Viele Fahrer bleiben lieber in den Vorstädten, wodurch für die Geschäftshäuser in der City Millionenverluste entstehen. Die Verwandlung unbebauter Grundstücke in Parkplätze schafft nur vorübergehende Erleichterung. Durch die Stadtverwaltungen aufgestellte „Parkmeter“ sollen die Parkzeiten abkürzen. In Straßen, wo etwas Platz ist, stehen am Wegrand kleine Automaten, in die der Platzsuchende ein Geldstück wirft, wofür er das Anrecht auf eine Stunde Parkzeit erwirbt. Überschreitet er die Frist, winkt ein rotes Fähnchen nach dem nächsten Polizisten. Die Geldstrafen sind hoch. Parkmeter lösen die Not nicht, sie nützen sie allenfalls als Geldquelle aus.

Große Warenhäuser erfanden eine Art Selbsthilfe. Die mächtigen Dächer werden zu Parkplätzen umgestaltet. Flinke Aufzüge erleichtern Auf- und Abfahrt. Die Wagen stehen sicher, und wer bei „Rike’s“ parkt, kauft auch bei „Rike’s“.

Allerdings gibt es Situationen, in denen auch Einfallsreichtum nicht mehr helfen kann. An Jeffersons letztem Geburtstag rollten 140 000 Wagen durch den Potomac Park von Washington. Hätten sie anhalten dürfen, wäre eine Katastrophe unvermeidlich gewesen. Wo man nicht oder nur mühsam parken kann, bleibt man eben gleich im Wagen. Das „Drivein“ zieht Nutzen aus dieser Gewohnheit. Es begann mit den „Drive-in-Hotels“, wo man allerdings seinen Wohnanhänger mitbringen mußte. Im „Drive-in-Restaurant“ fährt man am Büfett vor und läßt sich am Steuer bedienen. Dem beliebten „Drive-in-Kino“ folgten nun sogar die „Drive-in-Kirchen“. Auch das sind Lösungen für das Parkproblem.

Nicht alle diese Lösungen des Parkproblems lassen sich auf deutsche Verhältnisse übertragen. In den meisten Großstädten hat man aber die einmalige Gelegenheit, aus Trümmergrundstücken Parkplätze zu machen, die sich ebenso rentieren würden wie ein Geschäftshaus. Daß man mit Garagen und Unterstellhallen für Wagen Geschäfte machen kann, hat sich bereits herumgesprochen. Immerhin ist eine ganze Mark für ein Dach über dem Wagen besser als eine halbe Mark für die Fragwürdigkeit eines schlecht bewachten Parkplatzes. Unsere Straßen sind enger und unsere Plätze sind kleiner als in Amerika. Die moderne Parkplatzkrankheit wird auch bei uns akut. Kotflügel und Stoßstangen werden es mit Beulen und Dellen anzeigen.

H. Gartmann