Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KW) legt jetzt den Bericht über das zweite Jahr ihrer Geschäftstätigkeit vor, der sich neben der Erläuterung der Tätigkeit des Instituts im abgelaufenen Jahr eingehend mit der wirtschaftlichen Gesamtlage Westdeutschlands befaßt und überdies eine Fülle aufschlußreichen und interessanten Zahlenmaterials über die Lage der einzelnen Wirtschaftszweige, die Entwicklung der Spartätigkeit, die Investitionsrate und andere Dinge enthält. Das Volumen der von der KW seit ihrer Errichtung bearbeiteten Investitionsprogramme beträgt etwa 3,83 Mrd. DM, das der Kreditzusagen 3,07 Mrd. und der tatsächlichen Auszahlungen 2,86 Mrd. DM. In diesen Zahlen, die einen Eindruck von der Bedeutung des Instituts für die deutsche Kreditwirtschaft vermitteln, sind 236 bzw. 173 Mill. DM für Kreditzusagen bzw. Auszahlungen im Rahmen der Exportauftrags-Finanzierung nicht enthalten.

Die von der KW bearbeiteten Investitionsprogramme für das Jahr 1950 werden aus der ersten und zweiten Tranche der ECA-Gegenwertmittel – soweit sie 1950 zur Ausgabe gelangten – in Höhe von 1,66 Mrd. DM (gegen 50,1 Mill. in 1949) ferner aus 402,87 (78,4) Mill. DM des Zentralbanksystems gespeist. Das Hauptamt für Soforthilfe stellte 24 Mill. DM zur Verfügung und aus eigenen Emissionen der KW 5 1/2- und 3 1/2 %ige Wiederaufbauanleihen) waren 365,46 (334,92) Mill. DM vorhanden. An Kreditinstitute wurden 1,54 Mrd. DM zur Weiterleitung an den Investor gegeben; unmittelbare Kredite betrugen 1,03 Mrd. DM.

Die über die Anstalt finanzierten Investitionen setzten sich neben den ECA-Programmen aus dem Anteil der KW an dem Arbeitsbeschaffungsprogramm der Bundesregierung einschließlich des Wohnungsbau-Sonderprogrammes und dem Investitionsvorhaben „exportintensive Industrie“ sowie aus Anleiheerlösen und eigenen Mitteln des Instituts zusammen. Die Hauptsorge der KW galt der Durchfinanzierung der großen Projekte des Energieprogramms; hier besteht für 1950 und 1951 ein ungedeckter Kreditbedarf von 361 Mill. DM. Die Bereitstellung der Mittel ist für die erstrebte Kapazitätsausweitung von entscheidender Bedeutung. Im Programm exportintensive Industrie handelte es sich demgegenüber um abgeschlossene Investitionsvorhaben, die naturgemäß leichter zu finanzieren waren. – Die Bilanzsumme der KW ist per 31. Dezember 1950 auf 2,6 (0,56) Mrd. DM angewachsen, die G. u. V.-Rechnung weist einen Gewinn von 6,08 Mill. DM auf, der gemäß § 10 des Gesetzes über die Kreditanstalt für Wiederaufbau in voller Höhe der gesetzlichen Rücklage zugeführt wird.

Der Bericht schätzt die Gesamt-Netto-Investitionsrate für 1950 auf 14 bis 15 Mrd. DM, wovon 4 bis 5 Mrd. auf die Selbstfinanzierung entfallen. Anregung der Spartätigkeit, insbesondere des steuerbegünstigten Wertpapiersparens (also Verzicht auf Konsum) und „Kapitallenkung“ in Richtung der produktiven Investitionsfinanzierung werden empfohlen. – Der Kern des Übels der „fehlgeleiteten“ Kapitalien (warum wird das nicht gesagt?) liegt aber doch in der Preis- und Zinspolitik, die dann Lenkungsmaßnahmen erforderlich macht. Die eigenen Emissionen der Kreditanstalt waren überdies eine Illustration der Zinsfrage, wie sie besser nicht sein kann. Flossen doch von den gezeichneten Stücken der 5 1/2 %igen Aufbauanleihe (32,17 Mill.) trotz Aufrechterhaltung des Ausgabekurses (bis Ende 1950) 5,9 Mill. DM über die Börsen zurück.

Die Anstalt sieht in einer Rekonzentration des Banksystems einen Weg zur Normalisierung der westdeutschen Kreditlage, da vor allem die Wirtschaft der finanzschwachen Länder des Bundes dadurch wesentlich gestärkt werden könne. Ferner würde hierdurch eine engere Verbindung zu den internationalen Bankinstituten, der Weltbank und der Export-Import-Bank, erleichtert und gefördert werden. C. v. S.