Von Erich Krüger

Während im Jahre 1933 die deutsche Automobilindustrie 277 000 Personenkraftwagen und 80 000 Lastkraftwagen und Omnibusse produzierte und damit an dritter Stelle in der Rangliste der Länder hinter den USA und Großbritannien stand, konnten im Jahr 1945 von der westdeutschen Automobilindustrie noch nicht einmal 7000 Automobile produziert werden. Inzwischen aber hat Westdeutschland mit der Jahresproduktion von 306 000 Kraftwagen und Straßenzugmaschinen 1950 wieder den fünften Platz (nach den USA, England, Kanada und Frankreich) in der Produktionsrangliste der Automobile bauenden Länder erreicht.

Bei dieser Entwicklung ist bemerkenswert, daß, gemessen an der Vorkriegsproduktion des Reiches, Westdeutschland mit dem Produktionsergebnis von 1950 für Liefer- und Lastkraftwagen die Vorkriegsergebnisse bereits erreicht hat. Anders steht es dagegen mit der Pkw-Produktion. Hier beträgt 1950 der Produktionsausstoß mit 220 000 Einheiten nur 80 v. H. der Ergebnisse des Reichsgebiets von 1938. Häufig ist in der Öffentlichkeit von der zunehmenden Motorisierung Westdeutschlands die Rede und vielfach wird die Meinung vertreten, daß man zumindest Personenkraftwagen als Güter der Konsumsphäre ansehen muß. Dabei wird völlig übersehen, daß die Kraftfahrzeugdichte in Westdeutschland weit unter der Englands und Frankreichs liegt: Ende 1950 entfielen in Westdeutschland 47 Einwohner auf einen Kraftwagen, in England dagegen nur 15 und in Frankreich 17 Einwohner! Es ist dabei wichtig, festzustellen, daß 95 v. H. der im Jahr 1950 im Bundesgebiet zugelassenen fabrikneuen Personenkraftwagen in der gewerblichen Wirtschaft und Verwaltung verwendet werden und nur 5 v. H. für private Kraftfahrzeughalter zugelassen wurden

Oft ist von der starken Konzentration der Automobilproduktion gesprochen worden. Betrachtet man die Verteilung der Produktion hinsichtlich der Typenzahl und der Aufteilung auf einzelne Herstellerfirmen, so wird deutlich, daß die Anzahl der hergestellten Typen sich seit 1945 bei allen Fahrzeugarten ständig erhöht hat und die Reichhaltigkeit des Programms allen Bedürfrissen des Marktes entspricht. Bei den Personenkraftwagen zeigt sich folgende Entwicklung: Im Jahr 1945 war nur das Volkswagen werk in der Lage, Personenkraftwagen in einzelnen Stückzahlen herauszubringen. 1946 kam Daimler-Benz mit den ersten Fahrzeugen des Typs 170 hinzu. 1947 nahm Opel und 1948 Ford die Pkw-Produktion auf. Im folgenden Jahr startete Borgward den Pkw „Hansa 1950“. Eine wesentliche Bereicherung des Typenprogramms brachte das Jahr 1950. Hier waren es besonders Wagentypen der mittleren und kleinen Klassen, deren Entwicklung die Aufnahme der Serienproduktion gestattete: Pkw F 10 der Auto Union, Pkw G. P. 700 des Goliath-Werkes und der Pkw Superior 600 der Gutbrod-Werke. Hierzu treten noch einige kleinere Werke mit neuen Fahrzeugen.

Bis Ende 1950 war der 170 D der Daimler-Benz der einzige Diesel-Pkw der Nachkriegsproduktion. Insgesamt wurden Ende 1950 mehr als 15 Pkw-Marken hergestellt. Nun aber bringt die Internationale Automobilausstellung eine weitere Bereicherung dieses Typenprogramms.

Die nachstehende Übersicht unterrichtet über die Verteilung der Pkw-Produktion auf die einzelnen Werke: Im Jahre 1950 wurde dann als besondere Fahrzeugart neben Personenkraftwagen und Lastkraftwagen der sogenannte Kombinationskraftwagen (station-car) entwickelt, an deren Produktion u. a. die Firmen Auto Union, Borgward, Gutbrod, Vidal & Sohn und das Volkswagenwerk beteiligt sind.

Die weitaus stärkste Typenauswahl zeigt sich bei der Produktion von Lastkraftwagen und Omnibussen. Hatten 1945 nur BÜSSING, Daimler-Benz, Ford, Kaelble, MAN und Vidal & Sohn allmählich die Lkw- und Omnibus-Produktion aufgenommen, so waren 1950 bereits 22 Werke an der Produktion beteiligt.