FRANKFURT AM MAIN, VOM 19. BIS 29. APRIL 1951

VERANSTALTET VOM VERBAND DER AUTOMOBILINDUSTRIE E. V., FRANKFURT AM MAIN

Unser aller Leben hat eine entscheidende Verschiebung erfahren, unser aller Leben ist rascher, vielfältiger, bunter geworden in den Möglichkeiten. Ist es damit reicher und erfüllter geworden? Es liegt an uns, ob wir Sklaven des Tempos werden, oder ob wir mit dem Tempo zu handeln wissen, ob wir irgendwohin fahren und nicht überall vorbeifahren. Es ist des Nachdenkens wert, was ökonomisch, sozial, verkehrstechnisch an Aufgaben und Wirklichkeiten aus der Erfindung des Automobils entstanden ist. Ein leichter und schnellaufender Motor ist eine wichtige Sache. Ein Mensch, der sich behauptet, in sich und als Beispiel, ist eine große Sache. Mir will scheinen, es ist die größere Sache.

THEODOR HEUSS

(aus Anlaß der Gottlieb-Daimler-Gedenkfeier)

Von Erhard Vitger, Köln

Als der Krieg zu Ende ging, gab es in Deutschland wohl kaum eine Automobilfabrik ohne große Schäden an Gebäuden und Maschinen. Die Schwierigkeit einer Wiederaufnahme der Arbeit war aber bei der Automobilindustrie vergleichsmäßig viel größer als bei den meisten anderen Industrien, weil die von ihr hergestellten Produkte aus so unendlich vielen Teilen bestehen, wovon auf Grund der Vielfältigkeit ein großer Teil – meistens mehr als die Hälfte – außerhalb des eigenen Betriebes durch fremde Firmen hergestellt wird. Ehe der Bau eines Automobils möglich wurde, mußten also nicht nur die eigenen Betriebsanlagen wieder notdürftig hergerichtet werden, sondern auch die der vielen Zulieferer. Hätte man nur mit der Wiederherrichtung von Maschinen, Anlagen und Gebäuden zu tun gehabt, wäre die Lösung der Probleme – obwohl schwierig genug – vielleicht nicht so aussichtslos gewesen, wie es zunächst den Anschein hatte, zumal sich bald herausstellte, daß die effektiven Beschädigungen von Maschinen, Anlagen und Betriebseinrichtungen nicht so erheblich waren. Viel größere Schwierigkeiten brachte erst die Tatsache mit sich, daß in erheblichem Umfang neue Lieferanten gesucht werden mußten, weil von den in der Ostzone beheimateten Firmen so gut wie keine Liefermöglichkeiten bestanden und Lieferungen seitens Produzenten, die in einer anderen Zone ihre Produktionsstätte hatten, kaum möglich waren, da sogar Sendungen aus der US-Zone in die britische Zone nur nach Erfüllung einer Reihe von Formalitäten genehmigt wurden, eine Prozedur, die viel Zeit in Anspruch nahm. Abgesehen von diesen Schwierigkeiten, war es eine besonders große Mühe, neue Lieferanten für die ausgefallenen zu suchen und zu finden. War dies gelungen und hatte man die Betriebseinrichtungen einigermaßen hergestellt, ergab sich ein neues Problem: die Heranschaffung der Rohstoffe und die Versorgung mit Kohle, Gas und Elektrizität. Nicht weniger wichtig war die Menschenfrage. Der Arbeiterstab, durch die Kriegsverhältnisse auseinandergerissen, mußte mit Mühe wiederauf-Pkw. Kombi- Lkw. Busse Zug-Gesamt