DPs – eine nicht aufgebotene Armee Eine Nachricht, die dieser Tage aus den VereinigtenStaaten kam, hat blitzartig eine Frage beleuchtet, die im Westen viel zu wenig beachtet wird: Die Frage nach der politischen Bedeutung der DPs, der displaced persons. In der Nachricht hieß es, daß der polnische Vorkriegsgesandte in Frankreich, Juliusz Lukasiewicz, in seiner Wohnung in Washington erhängt vorgefunden worden ist. Lukasiewicz war als Vertreter der polnischen Exilregierung, die ihren Sitz in London hat, nach den Vereinigten Staaten gekommen. Daß es sich bei seinem Tode nicht um einen Selbstmord gehandelt hat, geht aus den Aussagen seiner Umgebung hervor. Das State-Department hat daher die Polizei gebeten, eine Untersuchung einzuleiten. Dabei wurde bekannt, daß das American Federal Bureau of Investigation eine Woche vor dem Tode von Juliusz Lukasiewicz in den Besitz einer verschlüsselten Instruktion gelangt war, die vom Kominform an seine Agenten in den Vereinigten Staaten gesandt worden ist. Sie enthielt den Befehl, daß alles geschehen müsse, um die politischen Organisationen der Emigranten aus den Satellitenstaaten aufzulösen. Eine besondere Anweisung forderte die Ermordung des Pater Varga, des Präsidenten der Freien Ungarischen Bewegung in den Vereinigten Staaten. Auch sollte sein Büro in New York in die Luft gesprengt werden. Man sieht, wie ernst die Sowjetunion die politische Bedeutung der Emigranten und DPs nimmt. Der Westen hat dies bisher nicht getan. Sehr zu seinem Schaden.

Bereits bevor der zweite Weltkrieg – beendet war, haben die Sowjetrussen Pläne gemacht hinsichtlich dessen, was geschehen müsse, um die vorauszusehende Emigration aus den von ihnen beherrschten Satellitenstaaten aufzusplittern, ohnmächtig zu machen, zu deklassieren und ihre Mitglieder in Verzweiflung zu stürzen. In Moskau hatte man Erfahrung darin, welche politische Bedeutung eine solche Emigration haben kann; im Westen lebten noch von 1918 her viele russische Emigranten. Der Kreml hat niemals aufrichtig an einen Weltfrieden nach dem Kriege

gedacht und daher damit gerechnet, daß die Zeit kommen werde, da die Westmächte sich an die Emigranten wenden würden, um sie zum Kampf gegen den Kommunismus aufzubieten. So galt es für sie, vor diesem Zeitpunkt so viele dieser Emigranten wie nur irgend möglich zu vernichten.

Mehr als fünf Millionen Menschen aus den Ländern jenseits des Eisernen Vorhangs befanden sich nach dem Krieg in den Ländern des Westens. Unter ihnen waren mindestens eineinhalb Millionen Männer, auf die man bei einem kommenden Kampf mit dem Kommunismus hätte zählen können. Das wären 70 bis 80 kriegsstarke Divisionen gewesen, Divisionen, die nach ihrer Qualität, Erfahrung, Kenntnis des Kommunismus und seiner Methoden der Kriegsführung, vor allem aber ihrer inneren Bereitschaft nach zum Besten gehörten, was die nichtkommunistische Welt hätte aufstellen können. Unter den DPs der Jahre 1945 und 1946 befanden sich viele fanatische Gegner des Kommunismus, Männer, die ihre Heimat verloren hatten, die von ihrer Familie getrennt waren, denen die Kommunistenalles genommen hatten, außer dem nackten Leben, Männer, die genau wußten, daß es für sie ohne einen Sieg über den Kommunismus keine Rückkehr in die Heimat geben könne.

Unglücklicherweise haben sich die Westmächte auch in der Interpretation der Flüchtlingsfrage von den Sowjetrussen übertölpeln lassen. Sie ließen sich von Moskau bereden, die DPs seien „Kollaborateure und Kriegsverbrecher“, zum mindesten aber „Antidemokraten“ oder „Plünderer“ und müßten daher den verschiedenen kommunistischen Diktatoren ausgeliefert werden. Dies geschah. Und Hunderttausende wurden – zumeist schon auf dem Transport – liquidiert, insbesondere im Jahre 1945. Erst jetzt werden Einzelheiten dieser verbrecherischen Politik Moskaus, die von den Westmächten aus Torheit und Siegerhochmut gefördert wurde, auch in der westlichen Welt bekannt.

So veröffentlicht jetzt die größte serbische Tageszeitung in den Vereinigten Staaten, der Amerikanski Srbobran, einen Bericht über die Auslieferung von rund 20 000 Slowenen und Serben, die sich im Besatzungsgebiet der Westmächte gerettet glaubten, an Titos Kommunisten: Eisenbahnzüge, deren Wagen verschlossen waren, wurden, nachdem den Insassen ein falsches Ziel, Italien nämlich, angegeben worden war, über die Grenze nach Jugoslawien geschickt. Dort wurden die Flüchtlinge – ohne Gerichtsverfahren natürlich – sofort erschossen. Die wenigen, die den Massenhinrichtungen entkamen, weil sie sich totgestellt hatten, wurden, nachdem sie abermals geflüchtet waren, ein zweites Mal von den gleichen Stellen, die sie schon einmal in den Tod geschickt hatten, an ihre Henker ausgeliefert.

Bald darauf durften Repatriierungs-Kommissionen die DP-Lager der westlichen Länder besuchen. Sie übten jeden nur denkbaien Druck aus, die Flüchtlinge zur Rückkehr zu bewegen, – was für diese meistens Versklavung oder Tod bedeutete – oder sie durch Einschüchterung zum Verzicht auf jede politische Aktivität und zur Übersiedlung in überseeische Linder zu pressen. So wurden die erprobten antisowjetischen Kämpfer in den Lagern demoralisiert und zur Verzweiflung getrieben. Und dieser ständige Druck geht auch heute noch in manchen DP-Lagern weiter, von kommunistischen Zellen des Westens geleitet und unterstützt.