Immer wieder wird in der Öffentlichkeit die Forderung nach dem Klein- und dem Kleinstwagen erhoben. Aber dieser Begriff ist stets falsch verstanden worden, denn die Käuferschicht, die die Forderung stellt, wünscht nicht den Klein- oder gar den Kleinstwagen. Sie will in Wirklichkeit den preiswerten und in seiner Unterhaltung billigen Wagen. Mit der Größe dieses Wunschtraunfahrzeuges hat das nichts zu tun, und so ist der „Kleinwagen“ viel weniger ein technisches als ein wirtschaftliches Problem.

Mit einem Miniaturautomobil, dem alle Mängel einer geradezu grotesken Primitivität anhängen, ist die Automobilsehnsucht jener Volksschichten, denen 4000 bis 5000 Mark als Anschaffungspreis zu hoch sind, nicht zu stillen. Die Praxis hat gezeigt, daß die meisten „Kleinwagen“ infolge ihrer Unzulänglichkeiten und dem dadurch rasch ansteigenden Reparaturkonto per saldo nicht billiger sind als die deutschen Fahrzeuge mit „normalem“ Preis.

Es ist auf der anderen Seite jedoch ebenso sinnlos, den Menschen mit der Autosehnsucht vorzurechnen, daß nie der Anschaffungspreis, sondern die Unterhaltungskosten ausschlaggebend sind – so richtig diese Feststellung an sich ist. Wenn ein Geschäftsmann, ein Reisender oder ein junger Arzt eben nur 2000 DM zur Anschaffung eines Kraftwagens aufbringen, kann, nützt ihm die schönste Berechnung nichts, die ihm nachweist, daß er mit einem Wagen für 4000 DM billiger fährt, als mit einem Kleinwagen, der 2500 DM kosten mag. Er hat die fehlenden 1500 DM einfach nicht, während er die Unterhaltungskosten leicht aus laufenden Einnahmen entnehmen kann.

Reichlich gedankenlos aber ist die häufig in der Öffentlichkeit erhobene Forderung, die Automobilindustrie möge nun endlich einmal mit der Herstellung eines „Kleinwagens“ beginnen. Die Automobile zu „normalen“ Preisen werden im In- und Ausland nach wie vor bereitwillig gekauft, und Preisnachlässe treten nur dort in Erscheinung, wo sie einer vorausschauenden Preispolitik entsprechen. Daß ein technisch allen Anforderungen gerechter Kleinwagen nur unwesentlich billiger herzustellen ist, als die in Großserien gefertigten bekannten Automobilmarken, ist bekannt. Keine Automobilfabrik kann es sich leisten, ihren Namen durch ein primitives und unzuverlässiges Miniaturauto zu verderben.

Dem Autosehnsüchtigen, der nur 2000 DM in der Tasche hat, kann nur der Rat gegeben werden, sich auf dem Gebrauchtwagen- Markt ein Fahrzeug zu erstehen, das einer gängigen Serie entstammt, für das also ein weitverzweigter Kundendienst mit entsprechender Ersatzteilorganisation besteht. Auf diese Weise kann er ein preiswertes Fahrzeug erwerben und gleichzeitig in den Genuß niedriger Unterhaltungskosten kommen. Dabei sei nicht übersehen, daß Gebrauchtwagen aus gängigen Serien heute noch relativ teuer sind. Die Preise dürften aber fallen.

Nicht der „Kleinstwagen“, wie er in der Phantasie vieler Menschen herumspukt, sondern der preiswerte Gebrauchtwagen bietet also den nicht kapitalkräftigen Autosehnsüchtigen die Chance, ihren Wunsch nach einem Kraftwagen erfüllt zu sehen. Carl Otto Windecker