Der Mann, der in Nürnberg im „Wilhelm-Straßen-Prozeß“ ein harter Ankläger von Staats wegen war, Robert Kempner, ist auch ein harter Kläger in eigener Sache: Vor der 43. Wiedergutmachungskammer des Landgerichts Berlin-Moabit trat er auf und wollte sein Haus wiederhaben, daß er Anno 1935 verkauft hat. Das Haus, das sein Vater 1919 für 24 000 „Goldmark“ erstanden hatte, liegt in Berlin-Lichterfelde. Es hatte 1935 einen Einheitswert von 24 500 Mark, Kempner verlangte aber 48 000 Mark und einigte sich mir dem Käufer auf 42 000 Mark. Der Käufer war Dr. Meyer, einst Zentrumsabgeordneter im Reichstag. Kempner war Oberregierungsrat im preußischen Innenministerium gewesen, Meyer Oberregierungsrat im Finanzministerium. Kempner, so schreibt der „Kurier“, war 1933 entlassen worden, Meyer 1934. Es gibt hierüber auch andere Aussagen, nach denen Kempner nämlich auch nach der Zeit, als die Beamten den Eid auf Hitler schwören mußten, noch im Amt war (und es wäre interessant, von ihm selbst etwas darüber zu erfahren). Sowohl Dr. Kempner als Dr. Meyer sind durch den Nationalsozialismus geschädigt worden. Der eine ging nach Amerika und kehrte als stellvertretender Generalankläger zurück; der andere blieb in Deutschland, lebte von einer kleinen Rente, verlor im Krieg sein ganzes Vermögen. Jetzt will der eine vom anderen das Haus, das jener korrekt bezahlte. Der Kammervorsitzende erklärte, das Rückerstattungsgesetz, das Dr. Kempner die Handhabe gibt, schaffe hier unbillige Härten. Das Verfahren wurde vertagt. – Geschehenes Unrecht soll wiedergutgemacht werden, darin geben wir Dr. Kempner recht. Wem aber geschieht hier eigentlich Unrecht? Und wie wird das Verfahren aussehen, das dermaleinst die Schäden der Wiedergutmachung wiedergutmachen wird? P. R.