Die argentinische Abgeordneten-Kammer hat mit 103 gegen 16 Stimmen beschlossen, die unabhängige Zeitung La Prensa zu enteignen. Seit Ende Januar war diese größte und meist geachtete Zeitung Südamerikas nicht mehr erschienen. Ihre scharfe Kritik an dem Regime Perón hatte, wie man weiß, die argentinische Regierung schön mehrmals zu Maßnahmen gegen das einflußreiche Blatt gereizt, die aber alle erfolglos blieben. Mit Hilfe der „regierungstreuen“ Gewerkschaften wurde das Blatt schließlich dadurch lahmgelegt, daß die Straßenverkäufer, Drucker und Kraftfahrer streikten, unerfüllbare Bedingungen stellten und so den Verleger zwangen, seine Zeitung einzustellen. Das Verlagshaus wurde polizeilich geschlossen, gegen den Verleger ein Verfahren eingeleitet und endlich Haftbefehl erlassen. Seit nun die Abgeordneten-Kammer die Enteignung beschloß, haben andere argentinische Blätter ähnliches zu erwarten. Sicher wird der Name „Prensa“ wieder erscheinen. Aber unter fremder Leitung, um falsches Zeugnis abzulegen wider ihre Tradition. Wir kennen in Deutschland solche Geschichten. Einst wurden auch unsere Zeitungen gleichgeschaltet. Regierung und Parlament Argentiniens sollten das wissen. Die Reaktion der Weltpresse auf das Schicksal des großen Blattes müßte eine Warnung sein. Sollte etwa General Perón von den vielen Kronzeugen aus Deutschland, die sich in seinem Lande befinden schlecht beraten worden, sein? Bst.