Von Ulrich Schmidt

Der Kraftverkehr hat auf den deutschen Straßennach „der Währungsumstellung einen Aufschwung genommen, der demjenigen, der die Zerstörungen kannte, die der Krieg in der Kraftfahrzeugindustrie angerichtet hatte, noch vor kurzer Zeit unwahrscheinlich erscheinen mußte. Trotz der starken Zunahme der zugelassenen Kraftfahrzeuge ist jedoch der Bestand an Personenkraftwagen, bezogen auf die Einwohnerzahl im Bundesgebiet, noch nicht auf seiner Vorkriegshöhe angekommen! Gleichlaufend mit der Erhöhung der Kraftverkehrsdichte ging eine starke Zunahme der Verkehrsunfälle. Unterlagen für Maßnahmen der Bundesregierung, auf gesetzlichem Wege eine Senkung der Unfallzahlen herbeizuführen, müssen Statistiken sein, aus denen die Häufigkeit der einzelnen Ursachen der Verkehrsunfälle hervorgeht. Sieht man die veröffentlichten Zahlen daraufhin an, so erkennt man, daß bei weitem der überwiegende Teil der Verkehrsunfälle auf menschliches Versagen zurückzuführen ist. Hierzu zählen: Nichtbeachten der Vorfahrt, falsches Einbiegen, zu hohe Geschwindigkeit, Übermüdung, Trunkenheit u. a. m. Es ist dabei festzustellen, daß die Unfallursache sowohl beim Führer des Kraftfahrzeugs als auch bei den übrigen Verkehrsteilnehmern, Fußgängern, Radfahrern oder Lenkern von Pferdefuhrwerken, liegen kann. Nur ein verhältnismäßig geringer Teil der Unfälle, an denen Kraftfahrzeuge beteiligt sind, ist auf technische Mängel zurückzuführen. Wenn dieser Anteil sogar nur 5 v. H. beträgt, so bietet dieser Prozentsatz doch Grund genug, daß sich Gesetzgebung, Kraftfahrzeugindustrie und Verkehrsgewerbe ernstlich mit dem Gedanken befassen, ihn noch erheblich zu senken. Von der Kraftfahrzeugindustrie muß daher verlangt werden, daß die von ihr serienmäßig gelieferten Fahrzeuge in ihren Einrichtungen, die die Sicherheit des Verkehrs beeinflussen – also den Bremsen, den Bauteilen der Lenkung und der elektrischen Beleuchtung –, nicht nur den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen, sondern darüber hinaus ihre Funktionstüchtigkeit bei normaler Beanspruchung über möglichst lange Betriebszeiten behalten.

Das Kraftverkehrsgewerbe muß die Verantwortung jedes Kraftfahrzeugbesitzers und jedes Fahrers erkennen, durch regelmäßige Wartung der Kraftfahrzeuge und ihrer Anhänger für die Betriebssicherheit ihrer Kraftfahrzeuge zu sorgen. Die Aufgabe der staatlichen Behörden schließlich besteht darin, bestehende gesetzliche Maßnahmen dort, wo offensichtlich Mängel vorhanden sind, zu ergänzen und dafür zu sorgen, daß die gesetzlichen Vorschriften eingehalten werden.

Die Kraftfahrzeugindustrie hat die ihr zufallenden Aufgaben klar erkannt und ist gewillt, sich ihrer Lösung zu unterziehen. Der Technische Ausschuß des Verbandes der Automobilindustrie hat sich eingehend mit Fragen der Verkehrssicherheit befaßt. BesondereAufmerksamkeit muß dem Bremssystem der Kraftfahrzeuge, insbesondere der schweren und schwersten Lastkraftwagen und der Anhängerzüge gewidmet werden. Durch die Forderung nach immer höheren Durchschnittsgeschwindigkeiten und gesteigerten Nutzlasten erhöhen sich selbstverständlich die Ansprüche an das Bremssystem ständig. Konstruktionen, die noch vor einer Reihe von Jahren ausreichende Sicherheit zu bieten schienen, müssen verlassen und neue Wege gefunden werden. Die Bremswirkung – insbesondere der Züge – muß der Beladung angepaßt werden. Ganz besondere Schwierigkeiten bieten die Leistungen, die die Bremsen eines Lastzuges bei längeren Talfahrten mit hoher Geschwindigkeit vollbringen und in Form von Wärme abführen müssen.

Beachtung muß ferner der Lichttechnik geschenkt werden. Die Scheinwerfer müssen – auch in abgeblendetem Zustand – die Fahrbahn auf eine ausreichende Entfernung beleuchten, ohne entgegenkommende Wegebenutzer zu blenden. Der rückwärtigen Beleuchtung der Kraftfahrzeuge muß ebenfalls die nötige Aufmerksamkeit gewidmet werden. – Auch das Verhalten von Lastzügen auf gerader Strecke und in Kurven wird untersucht. Die Ausbildung des Lenksystems der Anhänger verhindert das gefürchtete Pendeln der Züge, und die richtige Abstimmung zwischen Achsstand und Überhang des ziehenden Fahrzeugs sowie Deichsellänge und Achsstand der Anhänger ergibt die geringste mögliche Spurverbreiterung bei der Kurvenfahrt.

Die Aufgaben des Kraftverkehrsgewerbes im Rahmen der Senkung der Verkehrsunfallzahlen liegen in erster Linie in der sorgfältigen Überwachung des Zustandes der Kraftfahrzeuge und Anhänger.

Es ist zu fordern, daß die Bremsanlagen der am Verkehr befindlichen Fahrzeuge in zweckmäßigen Abständen sorgfältig untersucht und notwendigenfalls in Ordnung gebracht werden. Hierzu gehört auch die Forderung, das zulässige Gesamtgewicht der Fahrzeuge nicht zu überschreiten, da Überladungen zu einem übermäßig raschen Verschleiß der Bremsanlage und damit zu ihrem vorzeitigen Versagen führen. Der Fahrzeughalter sollte weiterhin der Beleuchtung seines Fahrzeugs erhöhte Aufmerksamkeit widmen. Wenn auch die Verhältnisse in dieser Hinsicht in letzter Zeit besser geworden sind, so sind doch noch viel zuviel Fahrzeuge mit falsch eingestellten Scheinwerfern, mit über Kreuz geschalteten Fernlicht- und Abblendlampen, ferner einäugige Fahrzeuge sowie Kraftwagen und Züge mit unvollständiger oder verschmutzter Rückbeleuchtung anzutreffen. Besondere Klagen hört man in der Allgemeinheit über das starke Qualmen der Diesel-Lastkraftwagen. Es muß gesagt werden, daß ein intakter Dieselmotor, dessen Düsen und Einspritzpumpe in Ordnung sind, und bei dem die Einstellung der Reglerstange nicht verändert wurde, nicht zu qualmen braucht.

Seitens des Staates kann wahrscheinlich der größte Beitrag zum Problem der Verkehrssicherheit geleistet werden, wenn dafür gesorgt wird, daß die gesetzlichen Bestimmungen, welche die Verkehrssicherheit eines Fahrzeugs gewährleisten sollen, auch eingehalten werden. Auf diesem Gebiet ist noch viel zu tun.