Die kommunistische Belgrader Regierung hat die Westmächte um Waffenlieferungen gebeten. In einer langen Liste sind die dringendsten Bedürfnisse der Armee Titos aufgeführt: Artillerie, Panzer, Handfeuerwaffen, Fahrzeuge und Ersatzteile. Diese Wünsche sind nur allzu begreiflich, denn die jugoslawische Armee, die zur Zeit auf 34 Divisionen geschätzt wird, ist in buntem Durcheinander mit deutschen, tschechischen und russischen Waffen ausgerüstet; und meist sind es veraltete Waffen, für die man keine Ersatzteile mehr beschaffen kann.

Bisher hat Tito sich stets gegen Waffenlieferungen gewehrt. Noch im Februar hatte er in einer Rede vor seiner Roten Garde gesagt: „Es wird viel darüber geredet, daß der Westen uns bewaffnet. Es ist richtig, daß wir gewisse Maßnahmen zur Entwicklung unserer Rüstungsindustrie und zur Erlangung von Maschinen und Rohmaterialien ergriffen haben. Aber können wir fertige Waffen annehmen? Können wir das angesichts des schrecklichen Geschreis (des Sowjetsblocks) tun, das gemacht wurde, als wir vom Westen Nahrungsmittel erhielten? Der Ankauf von Nahrungsmitteln hat hauptsächlich humanitären Charakter. Aber die Annahme von Waffen könnte von denen im Osten als eine Bestätigung ihrer Behauptung angesehen werden, daß wir den Westmächten Militärbasen in Jugoslawien gegeben hätten. Daher können wir gegenwärtig einen solchen Schritt nicht ins Auge fassen; erst in dem Augenblick, wo wir sehen, daß der Angriff auf uns unvermeidlich ist, wird die Sache anders sein. Heute haben wir aber das Gefühl, daß dieser letzte Augenblick noch nicht gekommen ist.“

Wenn diese Rede nicht nur leere Propaganda war, um den Roten Garden zu erklären, warum sie keine modernen Waffen haben, dann müßte man aus den jetzigen Verhandlungen über die Lieferung von Waffen schließen, daß Tito nun „den letzten Augenblick“ für gekommen hält. Tatsächlich häufen sich in den letzten Monaten de Meldungen über einen raschen Aufbau der Satelliten-Armeen in Rumänien, Bulgarien und Ungarn. Es kommt zu immer neuen Zwischenfällen sowohl an der Grenze wie in Belgrad und den nachbarlichen Metropolen. Die Spannung ist so groß geworden, daß man, wie aus amerikanischen Presseberichten hervorgeht, in Belgrad sogar schon befürchtet, die derzeitigen Unruhen inAlbanien könnten von den Sowjetrussen unterstützt, wenn nicht inszeniert sein, um auf diese Weise einen Vorwand für die Intervention gegen Jugoslawien zu gewinnen.

Dies alles scheinen Anzeichen einer ernsten Krise zu sein. Man darf aber nicht übersehen, daß alle diese Meldungen über Belgrad kommen, also zum Teil auch dort „gemacht“ sein können. Es wird immer schwieriger, die Tatsachen von der sowohl dem Osten wie dem Westen gegenüber so wichtigen Propaganda zu unterscheiden. Es scheint jedenfalls sicher zu sein, daß Jugoslawien die Verhandlungen, die bereits seit einem Monat laufen, gern geheim geführt hätte und daß in Belgrad auch die Westdiplomaten äußerst überrascht waren, als plötzlich in Washington die Veröffentlichung erfolgte. So wird der ganze Vorgang zu einer Probe aufs Exempel: Ist die Balkankrise in der Tat akut oder nicht?

Tito hat natürlich kein Geld, um die Waffen zu bezahlen. Er hat im letzten Jahre insgesamt von Amerika 124 Millionen Dollar erhalten, für Lebensmittel und Rohstoffe. Jetzt hat Präsident Truman noch einmal 29 Millionen Dollar zur Unterstützung Jugoslawiens beim Einkauf von kriegswichtigen Rohstoffen genehmigt. Der Betrag ist ein Teil der vom Kongreß bewilligten 5-Milliarden-Waffenhilfe für die Atlantikpaktstaaten. Die Unterstützung Titos geht also auf Kosten der westeuropäischen Länder – hoffentlich wird Truman das nicht eines Tage? bereuen.

H. A.