Der Autor hat vom 6. bis 16. März mit Clippern der Pan-American-World-Airways einen Rundflug um die Erde gemacht. Am 10. April gab er Rechenschaft von seinen Eindrücken in einer dreistündigen Abendsendung des NWDR. Dem Manuskript dieser Sendung, in der Schnabel selbst den Part des „Tagebuches“ sprach, entnehmen wir charakteristische Stellen. Aus dem ersten Teil: Sonnenaufgang über Persien.

Erzähler: ... Damals, als ihr Schiff in der Nacht an die Küste von Chile kam, ankerten sie eine Weile vor Taltal und konnten nicht an Land. Da ging er auf die Brücke und schaute sich die Stadt durchs Fernrohr an. Wenig Licht in den Gassen. Ein Auto kommt mit abgeblendeten Scheinwerfern den Strand entlang, biegt in die Hauptstraße ein, durchfährt die Stadt, kommt an den Abhängen unter den Kordilleren noch einmal in Sicht und verschwindet. Das Fernrohr sucht, aber es fängt das Auto nicht wieder ein. Dodi die Kordilleren sind zu sehen, eine Silhouette aus ausgesparten Sternen. Die Luft ist vollkommen klar. Die Sterne senken sich hinter den schartigen Grat des Gebirges wie hinter eine Kulissenkante. Im Fernrohr sind es nur schimmernde Punkte, alle Sterne, soweit das Fernrohr den Himmel auch absucht. Nur der Mond – da stürzt eine Flut von weißem Licht auf den Mann am Fernrohr herein. Es ist ein Halbmond. Die Landschaft seiner hellen Flächen strahlt. Eisig helle Wüsten und Kratergebirge. Leer. Nichts als das weiße Licht. Aber auch die Nachtländer des Mondes sind zu sehen. Auch hier Gebirge. Und eine schwarze Totenstille. Die Grenze zwischen beidem, zwischen Tag und Nacht, ist sauber gezogen. Nur an einer Stelle ist sie unterbrochen. Da erhebt sich auf der Nachtseite ein riesiges Gebirge, und die Sonne hat seinen obersten Kamm erfaßt. Dort oben, auf den Graten und Sätteln dieser Bergkette, beginnt der Morgen. Dort gibt es einen gewaltigen, umwälzenden Sonnenaufgang. Der Bergkamm glüht. Aus der Todesschwärze wird ein weißer, gnadenloser Tag. – Die Sonne geht auf über einem Mondberg, aber die Verlassenheit, die Verlassenheit wächst...

Tagebuch: Und da in die Sonne. 6 Uhr 02. Der Morgen kam aus dem Himmel. Wie ein leuchtender Gazevorhang sank er her ab, smaragdgrün, solange er frei in der Luft schwebte, aber wo er die ungeheure Bergmauer der persischen Küste berührte, da wurden die Berge glühend tot. Wie Lava sank die Glut an den Abhängen herab, bis ins Meer. – Die ganze Verwandlung dauerte zwei Minuten. Die Sonne steht noch nicht höher als eine Handbreit über der Kimm, und doch ist sie schon weiß und brennt und versengt das Land. – Ein weiter Blick nach Persien hinein. Berge und dürre Täler, alles wie aus gebrannter Schamotte. Ich nahm mein Glas vor die Augen und suchte die Küste ab. Hier leben doch Menschen! Mein Atlas sagt, es kämen wenigstens neun auf einen Quadratkilometer. Sie müssen doch Dörfer haben, oder Wege wenigstens, wer weiß wohin. Aber nichts. – Endlich unten am Strand zwei Punkte. Weiß. Ich bekomme nicht heraus, was es ist, aber ich beschließe, es zwei Menschen sein zu lassen ...

Aus dem Schluß der Sendung: Ein Morgen über dem Atlantik.

Tagebuch: ... der Stern da unten wird immer deutlicher. Das Meer macht ihn glatt, aber die Mitte wölbt sich hoch. Ein großer Stern, der sich in den Morgen wälzt.

Erzähler: Aber er ist nicht groß! Man hat ausgerechnet, daß er eine sehr unwichtige Sache sei, gemessen an den Verhältnissen der ganzen Sternenexplosion, die die Welt ausmacht. Und möglicherweise ist das noch nicht einmal die einzige Sternenexplosion, die es gibt!

Tagebuch: Aber wir haben keine andere Wahl. Nur: Was ist das für ein Stern! Ich habe die drei großen Ozeane gesehen: Sie sind leer.