Nach zwanzig Jahren spricht Amerika wieder über Alexander Orr Munsell, der 1931 sein Millionenvermögen abgab, weil das viele Geld ihm „die Luft zum Leben nahm“. Alexander Munsell war zwanzig Jahre alt, als sein Großvater, der Präsident der New Yorker Lebensversicherung und der United State Trust Company, in Brooklyn starb. Er hinterließ seinen Erben zehn Millionen Dollar, und Alexander bekam einen großen Anteil dieses Vermögens. Fünf Jahre später erbte der junge Mann erneut einen sechsstelligen Dollarbetrag von einer Tante. Das war 1931, und in diesem Jahr hatte Alexander, der Harvardstudent und Offizier gewesen war, bereits mehr als 15 Jahre eines luxuriösen Nichtstuerlebens hinter sich.

Keiner weiß, ob es ausgerechnet die Erbschaft der Tante war, die ihm das Elend eines Daseins inmitten von Geld bewußt werden ließ: „Ich war ohne Rückgrat... Wollte ich meine Wirbelsäule stärken, dann mußte ich die Schale abwerfen.“ Alexander warf sie ab: Von der Million, die auf seinem Bankkonto stand, übergab er die Hälfte seiner Frau und seinen drei kleinen Söhnen; die andere Hälfte verschenkte er an verschiedene Charitasorganisationen und behielt nur seine Soldatenrente und einige Dollar, die er einmal selbst verdient hatte.

„Ich wollte die Wirklichkeit erleben, die darin besteht, arm zu sein...“ Die amerikanische Öffentlichkeit aber wollte erleben, wie es einem Millionär bekommt, plötzlich arm zu sein und wie er sich durchs Leben schlägt, obwohl er doch eigentlich nichts Rechtes gelernt hatte, außer einem bißchen Schießen und gutem Benehmen. Aber Alexander war schlauer als die Öffentlichkeit, er verschwand spurlos, und erst im Jahre 1935 fand ihn ein Reporter in einem Hinterhauszimmer für 2,50 Dollar die Woche wieder. Er aß getrocknete Pflaumen und sagte: „Ich habe einen wunderbaren Frieden gefunden. Großer Reichtum zerstört allevernünftigen Gesichtspunkte. Früher wußte ich nicht, was Leben heißt. Immer hörte ich nur: Jawohl, Herr Geldsack‘, wo ich auch hinkam.“

Jetzt aber ist die Geschichte des Alexander Munsell in ein dramatisches Stadium getreten: Vor zwei Jahren starb die Mutter des Mannes, der nicht reich sein will, und vor wenigen Tagen hat ein Gericht in New York entschieden, daß Alexander 650 000 Dollar, die ihm die Mutter im Testament zugesprochen hatte, gegen die Anfechtung der Verwandten erhalten kann. Und ganz Amerika fragt: Wird Alexander Munsell das Geld annehmen? Die Reporter suchten seine Wohnung auf, aber Munsell war verschwunden. Er hatte wohl geahnt, welch ein Sturm auf ihn einsetzen würde und bewohnt jetzt ein kleines Häuschen außerhalb der Stadt. Doch einer der Verwandten sagte zu den Reportern: „Nachdem Alexander vier oder fünf Jahre lang gehungert hat, sind wir jetzt überzeugt, daß er diesmal seine Erbschaft annehmen wird...“ F.