Von Oscar Vidal

Überlegungen, die zur Konstruktion von Kleinlastwagen führen, sind heute dieselben wie vor zwanzig oder dreißig Jahren: Die Kosten, die aus Steuern, Brennstoffpreisen oder anderen Ursachen für den Käufer entstehen, spielen eine ausschlaggebende Rolle. Als nach dem ersten Weltkriege die Zahl der Motorfahrzeuge durch die Verwendung von Motorrädern erheblich anstieg und das Bedürfnis auftrat, auch auf Motorrädern Lasten zu befördern, baute man Beiwagen oder Anhänger. Die Anbringung der Last vor dem Fahrer führte dann dazu, das „Eilauto“ als Kleintransporter zu entwickeln. Sehr bald war hier eine Grenze erreicht. Wenn nämlich die Last zu hoch war, hatte der Fahrer keinen Überblick mehr; außerdem mußte, wenn sich dieses Transportmittel für einen Käufer mit schmalem Geldbeutel rentieren sollte, die Tragfähigkeit erhöht werden. Deshalb wurden Anfang der dreißiger Jahre grundlegende Änderungen durchgeführt: Der Fahrer wechselte seinen Platz; er saß nun vor seiner Last und konnte außerdem vor den Unbilden des Wetters geschützt werden.

Das Ergebnis dieser neuen Konstruktion war, daß der aus dem Motorrad entwickelte Kleinlaster nun das Aussehen eines dreirädrigen „Automobils“ erhielt und heute tatsächlich als Auto angesprochen werden kann. Der Dreiradwagen nähert sich damit seinem vierrädrigen Bruder, auch ist er inzwischen komfortabler geworden und in seinen Leistungen durchaus gleichwertig. Steuern, Brennstoffpreise, Deviseneinsparung und erhöhte Ansprüche an den Transport machen die Frage Kleinlaster oder Großfahrzeug heute wieder aktuell.

Die Steuern standen schon an der Wiege des Kleinlasters Pate, als vor vielen Jahren für Motorfahrzeuge bis zu einer gewissen Hubraumgröße Steuerfreiheit zugesichert wurde. Sie sind noch heute von großer Bedeutung für Käufer und Hersteller, weil ihre Höhe unmittelbar über Konstruktion und Verkauf entscheidet. Ein Kleinlaster, der fast steuerfrei ist, außerdem noch mit dem Führerschein IV gefahren werden kann, ist selbstverständlich für den Käufer interessanter als ein schwerer Wagen. Es leuchtet ein, daß dem durch solche Überlegungen gesteigerten Absatz eine große volkswirtschaftliche Bedeutung beizumessen ist. Der vermehrte Umsatz auf der Fabrikationsseite, der durch bessere Transportmöglichkeiten verstärkte Absatz auf der Käuferseite wirken sich mittelbar und unmittelbar auf unseren Haushalt aus. Außerdem ist die Behauptung nicht unbegründet, daß bei weiterer Erhöhung der Steuern für Fahrzeuge mit großer. Motorleistung und bei fortschreitender Geldverknappung die Kleinlaster noch mehr in den Vordergrund treten werden. Heute spielt der steuerlich begünstigte Kleinlaster wieder einmal eine große Rolle, zumal er bei verhältnismäßig geringem Aufwand einen großen effektiven Nutzen erzielt. Entscheidend ist, daß alle Transportaufgaben mit niedrigen Unkosten durch ihn gelöst werden können.

Bei der Höhe der Treibstoffpreise wird man sich mehr denn je darum bemühen müssen, einen Wagen für Klein- und Mittelbetriebe zu bauen, der recht wenig Kraftstoff verbraucht. Diese Frage ist in gleichem Maße für die Großbetriebe interessant; auch sie verwenden neben ihren schweren Lkw. die Kleinlaster im Zubringerdienst. Sie sind wichtig bei der Ablieferung, bei der man meist mit einem 5-t-Lkw. nicht so schnell zum Ziele kommt, wie mit mehreren, aber wendigen Kleinlastern. Die Kleinlastertypen, die von 500 bis 1250 kg Last befördern, sind die meistgefragten. Die Begründung liegt darin, daß Klein- und Mittelbetriebe in der Zahl die Großbetriebe überwiegen. Und so erfüllen die Hersteller von Kleinlastwagen durch die Bereitstellung dieser Fahrzeuge eine bedeutsame volkswirtschaftliche Aufgabe.

Die Lage auf dem Devisenmarkt zwingt uns, darauf zu achten, mit den devisenfressenden Treibstoffen so haushälterisch wie möglich umzugehen. Auf der einen Seite müssen und können wir also Devisen sparen, auf der anderen müssen wir dafür sorgen, daß Devisen beschafft werden. Hierbei bildet der Kleinlaster einen wichtigen Faktor, weil sich das Interesse des Auslandes für dieses rentable Fahrzeug erheblich vermehrt hat, und zwar ebenso in den Ländern mit „weicher“ wie in denen mit „harter“ Währung. Daher steigt der Export ständig und erleichtert unsere schwierige Devisenlage.

Sparsamkeit ist das Gesetz, unter dem wir heute stehen und das wir uns in Zukunft noch sehr viel mehr zu eigen machen müssen. Es verlangt von Herstellern und Konstrukteuren, gerade den Kleinlaster laufend auf seine vielseitige Verwendbarkeit und Leistungsfähigkeit zu überprüfen. Die Erfahrung hat gelehrt, daß der Kleinlaster häufig überlastet und stets hoch beansprucht wird. Daher muß er unter Verzicht auf manchen Komfort sehr robust gebaut werden. Man muß, wenn die Preise erschwinglich bleiben sollen, eine gewisse Primitivität in Kauf nehmen, um eine längere Lebensdauer zu erhalten. Es ist notwendig, auch auf dem Gebiet des Kleinlastwagenbaus mit geringem Aufwand einen möglichst hohen Nutzen für den Käufer zu erreichen.