In seinem Bericht über Tod und Begräbnis André Gides („Die Zeit“, 8. März) nannte Joseph Breitbach unter den ehemaligen literarischen Schützlingen des Begründers der Nouvelle Revue Française, neben Romains, Giraudoux, Malraux, Saint-Exupéry, den heute einundfünfzigjährigen Louis Guilloux. Vor der ersten kürzlich ins Deutsche übersetzten Arbeit Guilloux’, den „Gefährten“ (Europa-Verlag, Zürich), einer stillen, ebenso unauffälligen wie unaufdringlichen Erzählung von knapp 60 Seiten, findet sich ein Geleitwort von Breitbach. Man erfährt darin von dem frühen Roman „La Maison du Peuple“ (Das Volkshaus, 1927), von der „einfachen und edlen Kunst“ dieses ganz undogmatischen Anwalts der Armen, die ein späteres Werk wie ‚,Le Pain des Rêves“ (Das Brot, der Träume, 1942) „bei einer unverbildeten Nation zu einem wahren Volksbuch machen müßte“. Die Begegnung mit diesem unprätentiösen, von keiner Mode hochgetragenen, von keiner „Richtung“ plakatierten, wenn auch drüben durchaus respektierten Realisten, dessen jüngster und wohl bedeutendster Roman „Le Jeu de Patience“ (Geduldsspiel, 1950) heißt, ist für den deutschen Leser, der die heutige französische Literatur fast nur unter der Etikette „avantgardistisch“ zu sehen gewohnt ist, eine gelinde Überraschung. Die erzählerischen Mittel sind sparsam, das Thema denkbar schlicht: Krankheit und Tod eines Maurers, ein alltäglicher Abschied von den Arbeitskameraden. Kein Zynismus, keine existentielle Grenzsituation, keine übersetzte Psychologie. –sé