Vor Jahren hat Orson Welles in Amerika mit einem Hörspiel Panik erzeugt: viele Hörer glaubten, die Invasion der Marsbewohner sei Tatsache, und sahen ihr letztes Stündlein gekommen. Seitdem geht man mit den Nerven der Hörer etwas vorsichtiger um, und das ist gut, weil die Politik ihnen sowieso scharf zusetzt. Vorsicht jedoch, zu weit getrieben, ergibt Verzärtelung, bei Kindern wie bei Rundfunkhörern. Hat der NWDR, als er Günther Eichs Hörspiel „Träume“ (wir berichten davon auf Seite 3) sandte, eine Panik befürchtet? Oder gar Massen- – ohnmachten der von Günther Eichs erdichteten, in selbstgeträumte Angstphantasien gejagten Hörer? Jedenfalls hielt er es für heilsam, nach der Ursendung eine erbauliche Gebrauchsanweisung mit verteilten Rollen zu liefern. Eine Stimme fehlte dabei: die Werner Fincks. Sein „Rund-Finck-Kommentar“ fiel der neurologischen Hörerfürsorge zum Opfer. Schade, denn Finck ist der richtige Mann, wenn es gilt, Angstkomplexe in Heiterkeit aufzulösen. Er hätte auch denjenigen Hörern, die über den Nervenzusammenbruch hinaus am Lautsprecher sitzengeblieben waren (die vielen anderen, die vor dem Kollaps ihr Gerät abschalteten und dies telefonisch im, Funkhaus zu wissen gaben, konnten sowieso die Gebrauchsanweisung nicht zur Kenntnis nehmen), einen seelischen Halt geben können. Aber im Hamburger Funkhaus war man von einem Traum geschüttelt, dem Traum von der Hörerflucht.

Günther Eich konfrontierte die Menschen mit ihrer Angst. Der NWDR konfrontierte sich mit der Angst einiger Hörer. Und so hörten sich die anderen Hörer nach Schluß der Sendung mit der Angst des NWDR konfrontiert. –ter