Eine Bankettrede, die Trygve Lie, Generalsekretär der UNO, vor einigen Tagen in Belgrad hielt, werden; viele Jugoslawen mit Erstaunen gehört haben. Lie redete von den Prinzipien der gleichen Rechte und der Selbstbestimmung, denen Jugoslawien sich geweiht habe. Leider hat der durchschnittliche Jugoslawe weder gleiche Rechte noch Selbstbestimmung. Rechte haben nur die Regierung und ihre kommunistische Partei, und von Selbstbestimmung kann man nur insofern sprechen, als Tito selbst bestimmt, was zu tun und zu unterlassen ist. Zwar ist es begreiflich und nützlich, daß der Westen ein neutrales oder gar sowjetfeindliches Regime in Belgrad einem sowjetfreundlichen vorzieht. In der Begeisterung darüber sollte aber nicht vergessen werden, daß Jugoslawien, obwohl ein erster Schritt zur Liberalisierung angekündigt wurde, vorerst noch eine totalitäre Diktatur darstellt Es ist. auch richtig, weil taktvoll, im Hause des Gehenkten nicht vom Strick zu sprechen. Aber soll man deshalb gleich von Freiheit, Gleichberechtigung und Selbstbestimmung reden? A.