Die Alliierten haben endlich in Sachen IG Farben entschieden. Wir schließen uns der Auffassung der Aktionär-Schutzvereinigung an, wenn sie sagt: Nun endlich Strich unter die Sache, keine neuen endlosen deutsch-alliierten IG-Debatten, beschleunigte Gründung der Nachfolgegesellschaften, rechtsgültiger Aktientausch und Wiedereinführung dieses hervorragenden Sparpapiers an den Börsen. Nur eines bleibt noch offen – und hier ist die Meinung der Belegschaften, der Verwaltung, Aktionäre, auch der Gewerkschaften und der Bundesregierung einheitlich – nämlich: eine wirtschaftlich vernünftige Regelung für das Textilwerk Dormagen‚ das mit seinen 4200 Mann als Abteilung der Farbenfabriken Bayer in Leverkusen die Kunstseiden-, Zellwolle- und Perlon-Erzeugung betreibt. Das Werk ist ein unteilbares Stück des Gesamtkomplexes Farbenfabriken und soll aus keiner sachlichen Überlegung, sondern einer rein politischen Arithmetik zuliebe abgetrennt werden.

Die gleiche sinnvolle Handhabung, die die Alliierten dank eines charmanten französischen Kompromißvorschlages und der fachlichen und fairen Haltung des britischen Controllers mit den ebenfalls lange zur Debatte gestandenen Agfa-Betrieben von Bayer gefunden haben, wäre auch für Dormagen. anzustreben. Alle Teile hoffen, daß die Bundesregierung in einer ruhigen aber bestimmten Weise argumentieren wird, zumal nur Trumpfkarten auf deutscher Seite sind.

Abgesehen vom Riß durch die Betriebs-Sozialitat bedeutet die Herauslösung der drittgrößten deutschen Textilsynthese einen unverständlichen Schnitt durch eine in aller Welt geübte und angestrebte chemische Verbundwirtschaft, ferner den Verlust des für rund 40 bis 45 Millionen DM Investitionen bereitstehenden Finanziers, den Aufwand von nicht notwendigen weiteren rund 12 Millionen DM für den Aufbau einer Verwaltung, einer kaufmännischen Organisation, von Labors und Konstruktionsbüros usw. und per saldo eine Kostenverteuerung um etwa 7 bis 7,5 v. H. für die gesamte Produktion.

Gäbe es eine Lösung, die der antikartellpolitischen US-Forderung entspräche und doch für alle Teile annehmbar wäre? Wir meinen, ja. Dormagen, das mit rund 100 Millionen Jahresumsatz etwa 17 v. H. vom Umsatz der Farbengruppe ausmacht, könnte zu einer eigenen Gesellschaft gemacht werden, deren AK zu 100 v. H. im Besitz von Leverkusen ist, also ähnlich wie die Regelung für Agfa. Der Organ-Charakter würde dann auch die Verbundwirtschaft erhalten und sogar dem (übrigens reichlich kindlichen) amerikanischen Grundsatz des Mr. Newman, daß nämlich Hoechst. Ludwigshafen und Leverkusen „möglichst gleich „groß“ sein sollen, wäre ebenfalls Genüge getan. Rlt.