Nun wird also voraussichtlich das britische Festjahr, The Festival of Great Britain, die historische Kulisse abgeben für die qualvoll in die Länge gezogene Todesszene der Labour-Regierung. Und die Glocken der Jahrhundertfeier werden – mindestens scheint es einstweilen so – den Regierungsantritt der Konservativen einläuten. Wenn man sich an den Elan erinnert, mit dem Labour 1945 daran ging, eine neue, bessere Welt zu bauen, mutet einen dieses langsame Siechtum wirklich mitleiderregend an. Schon seit Monaten vermag die Labour Party nur mit Hilfe der kranken und bettlägrigen Abgeordnet ten, die bei jeder Abstimmung eilfertig aus den Hospitälern des Landes herbeigeschafft werden, ihr Leben zu fristen. Und jetzt wird vielleicht der Kampf um kostenlose Brillen und Gebisse, der den Rücktritt des heroischen Gesundheitsministers Bevan auslöste, ihr Ende besiegeln. Brillen und Gebisse –: Symbole frühzeitigen Alters. Sic transit gloria mundi.

Gewiß entbehrt es nicht einer gewissen Größe, daß die Labour Party, die einst auszog, um den Wohlfahrtsstaat zu begründen, jetzt in der Stunde der Gefahr sich entschlossen hat, zunächst alle Mittel in den Ausbau der Verteidigung zu stecken. Aber Bevan, der große Revolutionär, wollte nicht zusehen, wie die sozialen Errungenschaften die der Stolz der Labour Party seien und Großbritannien eine moralische Führerstellung in der Welt verschafft hätten, abgebaut würden. Unwillkürlich wird man erinnert an das Wort eines deutschen Sozialdemokraten, der da sagte, die Deutschen sollten sich lieber in heilen Häusern bolschewisieren lassen, als in Erdlöchern. D.