Berlin, im April

Boleslaw Barlog hat ganz bald nach der „Dame“, die „nicht für’s Feuer“ ist, auch den zweiten Londoner Serien-Erfolg Christopher Frys, „Venus im Licht“, auf die kleine Bühne des Schloßpark-Theaters geholt. Aber die Führung dieses „Spiels in vier Bildern“ übergab er Lothar Müthel. Und damit war die ganz andere Wirkung dieses neuen Stückes gegeben; denn Müthels Schwerblütigkeit erschloß die heikel zu spielende Verskomödie nur zu einem Teile.

Wieder ist die Handlung lediglich Hilfe zur Transparenz der poetischen Tatbestände, für die Fry glitzerndste Bilder findet. Der alternde, aperçu-schwere Herzog, der seine drei früheren Geliebten versammelt, um seinen Sohn unter ihnen die Mutter wählen zu lassen, taugt weder zu tragischen noch zu bloß komödiantischen Verwicklungen. Nur im Vorüberstreichen greift er die Konflikte auf und bläst sie fort – genau so wie er die Brandstiftung der einen Geliebten mit signierter Heiterkeit aufnimmt und den Wettkampf mit seinem Sohn um die junge Verwalterstochter wie ein sportliches Gesellschaftsspiel betreibt.

Daß Apfel, Pfeil und Bogen, Sternwarte und vielerlei mehr von Doppeldeutigkeit schillern, daß die Symbole wie die farbenprächtigen Sätze bei jedermann in diesem Stück, selbst bei den Butlern und Hausknechten, zum täglichen Umgang gehören, daß selbst im Turmzimmer des lichterloh brennenden Schloßes lange sprachliche Wortgefechte zwischen den rettungsseligen Bediensteten und dem glückselig-unglücklichen Paar absolviert werden, das bringt dies Stück Frys bis an den Rand der Unaufführbarkeit. Es kommt dazu, daß nicht, wie in der „Lady“, historische Kostüme, sondern heutige Anzüge und Kleider der Dekor sind – so daß die Entrückung der Handelnden ins Zeitlose kaum noch gelingt.

Die Darsteller, voran Oscar Dimroth als Herzog, hatten sichtlich Mühe, sich in diesen Paradoxien zurechtzufinden. Am ehesten trafen den poetischen Ton der junge Sebastian Fischer und die reizende Hanna Rucker.

Mag sein, daß in London Laurence Olivier, der für den Herzog die Idealfigur mitbringt, auch die Melodie dieses poetischen Realismus anzuschlagen wußte – in Berlin blieb Spiel und Szene voller Fragen und Ungereimtheiten.

K. W.