Kann Generalissimus Tschiangkaischek von Formosa aus eine „zweite Front“ in Asien errichten? Mac Arthur und die republikanische Opposition in Amerika sagen: Ja!

Die nationalchinesischen Truppen auf Formosa setzen sich aus den Überresten der geschlagenen Kuomintang-Armeen zusammen, denen es Ende 1949 und Anfang 1950 gelang, die letzte Bastion Nationalchinas im Gelben Meer zu erreichen. Es handelt sich um Soldaten aus allen Provinzen Chinas, die seit Jahren von ihren Familien und der Heimat völlig abgeschnitten sind. Ihr Verlangen nach einer Rückkehr auf das Festland ist daher groß. Zwei Wege sind hier möglich: Entweder eine Unterwerfung unter das rote Regime in Peking, oder aber eine Invasion.

Um die erste Möglichkeit auszuschalten und die zweite Möglichkeit vorzubereiten, muß vor allem die Moral der Soldaten gehoben und ihr „Glaube an den Endsieg“ gefestigt werden. Tschiangkaischek hat daher im Kriegsministerium eine „Politische Abteilung“ eingerichtet. An ihre Spitze stellte er seinen ältesten Sohn, den in Rußland ausgebildeten General Tschiangtschingkuo Das Motto dieser Abteilung heißt: doppelt hält besser. Sie schuf „Politische Arbeiter“, die als „Augen und Ohren des Oberkommandos“ in den höchsten Stellen ebenso wie in den einzelnen Kompanien sitzen. Da sie unter Umgehung des Dienstweges ihre Meldungen direkt an die „Politische Abteilung“ weitergeben, werden sie von Offizieren und Mannschaften gleichermaßen gefürchtet. Neben diesen Spitzeln – nach sowjetischem Vorbild – bestehen aber bei den Divisionen und Regimentern auch noch besondere „Politische Einheiten“ – nach nationalsozialistischem Vorbild –, deren Aufgabe es ist, Offiziere und Soldaten weltanschaulich zu schulen und zu Antikommunisten zu erziehen.

Hand in Hand mit dieser politischen Oberwachung läuft die militärische Ausbildung. Ihre Keimzellen sind die Heeresschule in Fengschang, die Luftwaffenschule in Kongschang und die Marineschule in Tsoying. Alle drei verfügen über gute Lehrer und Lehrmittel und sind modern eingerichtet.

Das Heer besteht aus etwa 350 000 Mann, deren militärischer Wert unterschiedlich ist. Es gibt einige Eliteformationen. Die Qualität der Masse aber läßt erheblich zu wünschen übrig. Der einfache Soldat erhält eine Monatslöhnung von etwa 5,50 DM. Seine Verpflegung besteht aus einer täglichen Reisration und etwas Gemüse. Die Bekleidung ist durchweg schlecht. Leichte und schwere Waffen existieren zwar in beträchtlicher Anzahl, aber sie sind chinesischen, japanischen, russischen und amerikanischen Ursprungs, so daß die dazugehörige Munition nur schwierig zu beschaffen ist. Bedingt durch diese schlechte Ausrüstungs- und Bewaffnungslage, sind etwa 100 000 Mann des Heeres ständig als Landarbeiter im Zucker- und Reisanbau eingesetzt.

Die Panzertruppe verfügt über etwa 800 Panzer und gepanzerte Fahrzeuge. Auch die Panzer sind internationalen Ursprungs und zum großen Teil veraltet. Ersatzteile und Zustand sind ungenügend. Um die Panzertruppe zu einem besonders zuverlässigen Instrument zu machen, werden nur ausgesuchte Offiziere und Mannschaften zu dieser Waffengattung kommandiert. Und wieder war ein Sohn Tschiangkaischeks an der Reihe. Der Generalissimus setzte seinen Jüngsten, den in den USA ausgebildeten Generalmajor Tschiangweikuo als Befehlshaber ein. Diese Vorsicht des Generalissimus erklärt sich aus dem Mißtrauen, das er gegenüber dem größten Teil der 3000 aktiven und inaktiven Generale und insbesondere gegen den Oberbefehlshaber des Heeres, Generalleutnant Sunliyen, hegt. Wahrscheinlich hätte Tschiangkaischek ihn schon längst abgesetzt, wenn Sunliyen nicht die starke Unterstützung der Amerikaner hätte, die ihn für den fähigsten General auf Formosa halten.

Die Kriegsmarine hat einschließlich zweier Brigaden Marineinfanterie eine Stärke von 43 000 Mann. Der Kern der „Flotte“ besteht aus sieben Zerstörern, von denen einer von den Japanern stammt, die übrigen aus Amerika; hinzu kommen Kanonenboote, Minenleger und Landungsfahrzeuge. Alles in allem etwa 70 Schiffe. Diese „Flotte“ wird von 100 Admiralen kommandiert. Ein Viertel des seefahrenden Personals besteht aus Offizieren. Kampfwert und Moral der Marine sind gering. Immerhin ist es dem Generalissimus in letzter Zeit gelungen, wenigstens die einträgliche Schmuggeltätigkeit der Marine abzustellen.