E. G., London, Ende April

Nicht um den Achtstundentag geht es bei der Frage, ob wir länger arbeiten müssen, auch nicht um die Länge oder Kürze unseres Wochenendes. Nicht um Stunden geht es, sondern gleich um Jahre...

Seit langem spielt in der internationalen Diskussion um die „Überalterung“ der Bevölkerung (worunter mißverständlicherweise sowohl die erfreulich ansteigende durchschnittliche Lebensdauer als auch das durch zwei Kriege ungesund gewordene Verhältnis zwischen der Stärke jüngerer und betagterer Altersgruppen verstanden wird) das sogenannte „Pensionsalter“ eine Rolle. Soll man bei dem bisherigen Pensionsalter von 65 Jahren bleiben und damit recht vielen Menschen eine kleine Rente (oder Unterstützung) aus den begrenzten Mitteln zukommen lassen? Oder soll man das Pensionsalter generell um ein paar Jahre hinaufsetzen, damit die verfügbaren Unterstützungs- und Rentenmittel in ein besseres Verhältnis zueinander bringen, jedoch Härten für diejenigen Menschen riskieren, deren Kräfte volle Arbeitsleistung bis zu 68 oder 70 Jahren nicht mehr erlauben, ohne daß sie krank oder arbeitsunfähig und unterstützungsberechtigt würden?

Für uns Deutsche ist das Problem nur für begrenzte Personenkreise akut. In England, das in seiner sozialen Sicherheit die Altersgrenze für Männer ab 65 und für Frauen ab 60 Jahren eingeführt hat (wenn gewisse Beitragsvoraussetzungen erfüllt sind), ist es eine Frage sowohl des Budgets wie auch der vorzeitigen Stillegung von körperlich fähigen Arbeitern geworden. Wohin die Absicht geht, hat kürzlich das englische Budget dargelegt: Mit Rücksicht auf steigende Lebenshaltungskosten wurden die wöchentlichen Rentensätze von 26 auf 30 s für Einzelpersonen und von 42 auf 50 s für Ehepaare erhöht. Doch muß der Mann 70, muß die Frau 65 sein, um in den Genuß der höheren Rente zu gelangen. In den vorhergehenden 5 Jahren gelten auch weiterhin die alten Sätze. England hat also sozusagen „das Alter“ offiziell um fünf Jahre verschoben. Es bleibt dem einzelnen frei, darin mehr einen Fortschritt in der Volksgesundheit oder eine Folge der steigenden Lasten zu sehen!