B. P., Stockholm, im April

Seit der Hansezeit ist der Warenaustausch zwischen Deutschland und Schweden für beide Länder wichtig gewesen, und das ganz besonders immer in Kriegs- oder Krisenzeiten. Beide Länder sind Lieferanten wertvoller Rohstoffe. Das in Frankfurt a. M. abgeschlossene Handelsabkommen für 1951 ist dafür eine neue Bestätigung. Die Tatsache, daß Westdeutschlands Handel mit Schweden seit der Stabilisierung überraschend schnell gewachsen ist und es nun nach Großbritannien wieder an zweiter Stelle steht, beweist, wie sehr sich die Wirtschaftsstruktur beider Länder ergänzt. Es ist ja auch kein Geheimnis, daß Schweden die nach Kriegsende ausbleibenden deutschen Lieferungen bitter vermißte und damals sehr rasch fast seinen ganzen Devisenbestand verlor, als es versuchte, sich in den USA Ersatz zu verschaffen. Der wesentliche Unterschied war eben der, daß die USA ihrerseits auch nicht annähernd so viel von Schweden bezogen, als Deutschland. Nun aber ist der Handel mit Westdeutschland, Ein- und Ausfuhr zusammengerechnet, 1950 auf etwa 1300 Mill. Kronen angewachsen. Und in dem neuen Abkommen rechnet man mit einer Steigerung für 1951 auf 1500 Mill. Kronen.

Während in den beiden vorhergehenden Jahren Westdeutschland einen Einfuhrüberschuß im Handel mit Schweden hatte, nimmt man in Stockholm an, daß sich 1951 wieder der in allen Vorkriegsjahren traditionelle deutsche Ausfuhrüberschuß ergeben wird. Früher war dieser Ausfuhrüberschuß verhältnismäßig groß, und Schweden bezahlte ihn seinerseits durch einen Ausfuhrüberschuß im Englandhandel. Aber gegenüber England hat Schweden nun einen Einfuhrüberschuß. Jedoch in den gegenwärtigen Zeiten eines „inflationistischen“ Warenbedarfs nimmt man einen gewissen Einfuhrüberschuß sieht ungern in Kauf. Schwedens Gold- und Devisenreserve hat sich mit rund 1260 Mill. Kronen übrigens im letzten. Jahre praktisch stabil gehalten.

Unter den Waren, die Schweden nach dem neuen Handelsabkommen von Westdeutschland erhalten wird, sind für 1951 vor allem 2 Mill. t Koks und 0,5 Mill. t Kohle zu verzeichnen. Damit wird Westdeutschland praktisch der einzige Kokslieferant Schweden sein. Von England konnte es keine Zusage erhalten, und aus Polen kommt nur wenig. Wenn ein europäischer Zuteilungsplan für Koks und Kohle entstehen sollte, so erwartet man in Schweden, daß Westdeutschland jedenfalls die zugesagten Mengen liefert, sonst müßte Schweden seinerseits mit der Lieferung von Mangelrohstoffen wie Zellstoff, Holz und Erz haushalten. Die Brenstofffrage ist nicht ohne einige politische Bedeutung. Denn ohne die westdeutschen und englischen Koks- und Kohlelieferungen wäre Schweden ganz von der polnischen Kohle abhängig! Um genügend Kohle aus den USA zu beziehen, fehlen ja die Dollars.

Sehr erfreulich ist für Schweden ferner, daß es wesentlich mehr Walzwerkerzeugnisse (210 000 t gegen 140 000 t in 1950) erhalten wird. Denn hier sind die für die schwedische Werftindustrie so unentbehrlichen Schiffsplatten und das in der Konservenindustrie gebrauchte Weißblech einbegriffen. Ferner erhält Schweden 1951 rund 25 000 t Roheisen und 100 000 t Stahlschrott, sowie ansehnliche Mengen Chemikalien und textile Halbfabrikate. Schweden seinerseits wird seine Erzausfuhr nach Westdeutschland um 1 Mill. t auf 4,85 Mill. t steigern. Dazu kommen gleichfalls größere Lieferungen von Schnittholz (+ 40 v. H.) 180 000 t Zellstoff und 25 000 t Papier und Pappe. –Von den nicht auf der Einfuhrfreiliste stehenden Waren hat Schweden die Einfuhr von Maschinen, Apparaten und Instrumenten für 150 Mill. Kronen aus Westdeutsche land freigegeben und kann selbst nach Westdeutschland Lebensmittel liefern, vor allem 14 000 t Butter, Eier für 50 Mill. Kronen und Fisch für 11 Mill. Kronen. Dazu kommen schwedische Edelstähle, Maschinen, Chemikalien, Holz- und Eisenwaren.

Was die Preisfrage betrifft, so wird in Stockholm angedeutet, daß man vorläufig nicht mit einer Erhöhung der deutschen Kokspreise rechnet. Auf alle Fälle aber sei klar, daß die schwedischen Eisenerzpreise weiter hinter den Einfuhrpreisen für Kohle und-Koks herhinken. In den ersten Nachkriegsjahren habe Schweden etwa dreimal soviel Erz liefern müssen, um die gleiche Menge Kohle, Koks und Handelseisen kaufen zu können, wie vor dem Kriege. Noch jetzt sei es so, daß man die doppelte Menge Eisenerz für die gleiche Menge Handelseisen geben muß.