Der Prinz Friedrich Christian zu Schaumburg-Lippe hielt es für nötig, uns durch einen Rechtsanwalt auffordern zu lassen, ein Dementi zu unserm Artikel „Das eigene Nest“ zu bringen. Wir drucken daher unseren Artikel zusammen mit diesem Dementi noch einmal ab, damit unsere Leser ebenso wie die „Schwäbische Illustrierte“ erfahren, mit wem sie es hier zu tun haben. Wir fügen diesen beiden Äußerungen noch weitere Aussagen hinzu, die das Bild des Prinzen Friedrich Christian zu Schaumburg-Lippe abrunden.

Die Redaktion

Non olet“, sagte schon ein römischer Kaiser, als er aus der Benutzung von Bedürfnisanstalten eine Steuer zog. Und „non olet“ denkt offenbar auch Prinz Friedrich Christian zu Schaumburg-Lippe. In der „Schwäbischen Illustrierten“ hat er wieder einmal zur Feder gegriffen. Unter dem Titel „Mit Helden und Halunken in Schlössern und Spelunken“ schildert er seine reichen Erlebnisse im Dienste Adolf Hitlers. Der historische Wert dieser Memoiren mag zweifelhaft sein, ihr finanzieller Wert ist es gewiß nicht. Eingestuft in Gruppe V, erhob sich der Oberregierungsrat im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, der SA-Standartenführer der Standarte „Feldherrnhalle“, der Reichsredner der NSDAP, der Stellenleiter bei der Reichsleitung der NSDAP, der Hauptstellenleiter im Stabe des Gauleiters der Auslandsorganisation der NSDAP und Inhaber des goldenen Ehrenabzeichens der NSDAP – eingestuft in Gruppe V also, erhob sich dieser junge Phönix als Unbelasteter aus der Asche des Dritten Reiches.

Es ist nicht das erstemal, daß unser Prinz ein Nest beschmutzt, in dem er sich so lange Jahre wohlgefühlt hat. Anfang der dreißiger Jahre war es allerdings ein anderes Nest, das er opferte, um seinen Kumpanen zu zeigen, daß er des Vertrauens der NSDAP und ihres Führers würdig sei. „Wo war der deutsche Adel?“ und „Fahnen und Fetzen“ hießen seine damaligen Machwerke, in denen er den deutschen Adel mit all dem begoß, was den neuen Machthabern schmackhaft war.

Doch nicht allein durch seine Schriften vermochte er damals das Wohlwollen seiner Gönner zu erhalten. Auch durch das Wort; allerdings weniger durch das eigene als durch das, das er anderen abgelauscht hatte. Unbedachte Äußerungen, die seinen Standesgenossen entschlüpften, wurden von ihm schnell und sicher an die richtige Stelle geleitet. So kam’s, daß der Legationssekretär Herbert von Mumm, der nach dem 20. Juli am Galgen endete, Knall und Fall aus dem Auswärtigen Amt entlassen wurde. So kam’s, daß, wenn unser Prinz einen Nicht-Nazi-Salon betrat, die Gäste schnell den Finger auf den Mund legten. „Cavete Unguis“, war die Parole, wenn Seine Durchlaucht aufkreuzte. Dies zu erzählen vergißt allerdings der Verfasser von „Helden und Halunken“ in seinem Tatsachenbericht...Gegendarstellung zu dem Artikel „Das eigene Nest“ in Ausgabe Nr. 13 vom 29. März 1951 der Wochenzeitung „Die Zeit“.

1. Ich habe nicht „im Dienste Adolf Hitlers“ gestanden, sondern war damals Beamter des Deutschen Reiches, und zwar nicht „Oberregienungsrat“, sondern Ministerialrat.

2. Meine Einstufung im Spruchkammerverfahren lautet nicht auf Gruppe V, vielmehr wurde das Verfahren mit Beschluß der Hauptkammer München vom 12. September 1950 gemäß § 1 des Gesetzes zum Abschluß der politischen Befreiung vom 27. Juli 1950 eingestellt, mit der Formulierung, „daß der Betroffene nicht hinreichend verdächtigt ist, Hauptschuldiger oder Belasteter zu sein“, und mit der Begründung, daß ich zwar Belasteter sei, aber wegen besonderer Entlastungsgründe in Gruppe IV eingestuft werden müsse.