Die Kunstschätze, die der 1947 verstorbene Finanzmann Lazaro Galdiano im Laufe seines sechsundachtzigjährigen Lebens in seinem geräumigen Madrider Stadtpalais „Parque Florida vereinigt hat, sind seit kurzem der Öffentlichkeit zugänglich. Die Eröffnung war geradezu eine Sensation, denn das neue Museum Lazaro Galdiano, auch wenn sich manches von dem Bestand der zwanziger Jahre nicht mehr erhalten hat, erweist sich als eines der mehr haltigsten Europas.

Es muß zunächst ohne Katalog genossen werden. Denn die vor fünfundzwanzig Jahren erschienenen Bände (eine Kollektivarbeit europäischer Museumsdirektoren) gehören schon lange zu den bibliographischen Seltenheiten, und auch der kleine Katalog von Lacoste ist seit vielen Jahren vergriffen. Sicher ist aber, daß der Palacio „Parque Florida“ ein Feld für Entdecker und für Streitfragen werden wird. Manche Angaben wären zu überprüfen, während gleichzeitig zu hoffen ist, daß unter den zahlreichen Anonymen bestimmbare Meister zu finden sind.

Der wohl wichtigste und wertvollste Teil des Museums sind die im Erdgeschoß untergebrachten Sammlungen mittelalterlicher sakraler Kleinkunst. Metall- und Schmelzarbeiten, Elfenbein- und Goldschmiedekunst sind in mehreren Hundert, zum überwiegenden Teil hervorragenden Stücken aus Frankreich, England, Deutsch-– land, Rußland, Byzanz, Ravenna aufgestellt.

Die zweite Sammlung ist altem Schmuck aus griechischer, vorrömischer, römischer Zeit, aus dem Mittelalter, vor allem der gotischen Epoche, bis zu den reichen Stücken des Barock gewidmet.

Als dritte Sammlung für sich finden wir die von Lazaro mit Unterstützung von Wilhelm Bode zusammengestellten italienischen Wilhelm des 15. und 16. Jahrhunderts, denen sich in den gleichen Räumen italienische denen und Bildhauer dieser und der früheren Epoche zugesellen. (Hier hängt auch, der – wohl zu Unrecht Leonardo da Vinci zugeschriebene – Johanneskopf, den wir oben abbilden.)

In den Prachträumen der oberen Stockwerke ist das Hauptstück der Sammlung untergebracht: die Gemäldegalerie. Sie umfaßt drei Hauptgruppen: Spanier (von der Frühzeit des fünfzehnten Jahrhunderts bis zu Goya, darunter ein halbes Dutzend Grecos), Niederländer (am eindrucksvollsten: Hieronymus Bosch, Hobbema, Rembrandt) und Engländer (von Gainsborough zu Constable). Von Deutschen sind nur Cranach und Dürer (angeblich Porträt seiner Frau) vertreten. An Italienern findet man Guardi, Tiepolo, Canaletto und Alessandro Magnasco.

Die Gemäldesammlung hat in den mit alten Möbeln, Waffen und sonstigen Kunstgegenständen reich ausgestatteten Räumen (mehrere sehr gute gotische Möbel) ganz den Charakter der Privatgalerie behalten. Doch hängen auch hier, wie andernorts so oft, die Bilder auf „Rahmenfühlung“. Und selbstverständlich sind sie anläßlich ihres ersten Auftretens in der Öffentlichkeit mit einer neuen Schicht glänzenden Firnis’ überzogen worden – ein in Spanien nun einmal üblicher Vorgang. Hans Doerr