DIE ZEIT

Ein großer Staatsmann tritt zurück

Der Rücktritt des Generals Marshall vom Posten des Verteidigungsministers der USA kam „nicht unerwartet, aber er hinterläßt eine schmerzliche Lücke in der Reihe der führenden Männer des Westens.

Abermals: Robert Kempner

Die „Frankfurter Rundschau“ hat ein seltsames Talent, auf umstrittene Figuren hineinzufallen. Als wir Herrn Morgenbesser angriffen, vergoß sie schnapplange Tränen, und sie beeilte sich, ihn zu verteidigen.

Dem Plevenplan sind die Giftzähne gezogen

Die Vereinbarungen über Deutschland, die von den Außenministern Amerikas, Frankreichs und Englands in Washington getroffen worden sind, bedeuten nicht das Ende einer Entwicklung, die vor einem Jahr begonnen hat, sondern einen neuen Anfang.

Was ist und wie weit reicht Europa?

Angenommen, eine Kamera auf dem Mars nähme Bilder von der Erde auf, nicht groß genug, um mehr erkennen zu lassen als die Umrisse der Kontinente, keine Städte also, keine Äcker, Weinberge und Häfen, keine Kirchen, Burgen und Fabriken, überhaupt nichts, was von menschlichem Leben zeugt – welche Kontinente würde ein Forscher, der diese Bilder betrachtet, auf der Erde feststellen? Ganz gewiß lösen sich die Konturen des einen, den wir Amerika nennen, deutlich heraus.

Ich kenne keine Deutschen mehr

Das sarkastisch bittere Wort: „Ich kenne keine Deutschen mehr, ich kenne nur noch Interessentenverbände“, ist leider nur allzu wahr.

Der Nachfolger Marshalls

Es gibt drei Menschen auf der Erde, von denen ich Befehle entgegennehme: Henry Stimson, George Marshall und meine Frau!“ Mit diesen Worten beantwortete Robert Abercrombie Lovett im Juni 1947 die Bitte des damaligen Außenministers George C.

Ein neues KZ genannt „Zuchthaus“

Als Anfang des Jahres 1950 die sowjetische Militärverwaltung die Konzentrationslager in der Ostzone auflöste, wurden 3500 der bisherigen Insassen im Zuchthaus Waldheim in Sachsen als sogenannte „Kriegsverbrecher“ von Sondergerichten der Deutschen Demokratischen Republik zu hohen Zuchthaus- und Gefängnisstrafen verurteilt.

Wenn Deutsche friedlich kommen...

„Ah, Sie sind Däne?“ – „Wieso?“ – „Sie haben hinten ein ,D‘ am Wagen.“ – „Mais non! D gleich Deutscher.“ – Nur kurzes Zögern, dann der Trost: „Ça ne fait rien.

DIE WOCHE

In Washington haben sich auf einer fünftägigen Konferenz die Außenminister Großbritanniens, Frankreichs und der USA über eine vorläufige Friedensregelung mit Deutschland geeinigt.

Fritz Busch †

Am 14, September ist in London der hervorragende Dirigent Fritz Busch unerwartet gestorben. Den erst einundsechzigjährigen hat ein Herzschlag plötzlich dahingerafft, mitten aus der Fülle seiner Arbeit, deren Früchte noch jüngst bei den Edinburgher Festspielen die Bewunderung eines internationalen Publikums gefunden haben.

Biennale der „Dokumentaristen“

Auf der diesjährigen XII. Mostra internationale d’arte cinematografica, der sogenannten „Biennale“ hat es viele Enttäuschungen und auch einige Überraschungen gegeben, und in der Fachwelt herrscht die Annahme vor, es sei dieses Jahr eine „kleine“ Biennale, ein Festival ohne außergewöhnliche Spitzenleistungen gewesen.

Notizen

Das Präsidium, des deutschen Ärztetages in Köln hat Bundeskanzler Adenauer in einer Denkschritt ersucht, seinen Einfluß zur Überwindung der dringendsten beruflichen und sozialen Notstände bei der deutschen Ärzteschaft einzusetzen.

UNCACK

Auch in der Kunst der Abkürzungen sind die Amerikaner uns weit voraus. Gewiß haben wir ihnen nachgeeifert, seit sie im Lande sind.

Theatralisches Kaleidoskop

In der zweiten Woche die der Berliner Festspiele sah sich das deutsche Theater dem teilweise faszinierenden, aber auch enttäuschenden Vergleich mit berühmten Beispielen aus dem Auslande ausgesetzt.

Vergewaltiger, kein Verführer

Der von uns angegriffene SRP-Stratege Gerhard Krüger hat die Stirn gehabt, uns zu unserem Artikel „Vergewaltiger, kein Verführer“ ein Dementi zu schicken.

Dachauer Justiz 1951

Als Dachau noch nicht mit dem Schandmal der Hitlerschen Kzs befleckt war, erfreute es sich weit über Bayerns Grenzen hinaus einer heute fast sagenhaften Popularität, um die sich die Bauern seiner Umgebung, die aus dem benachbarten München zugezogenen Künstler und der Dichter Ludwig Thoma gleicherweise verdient gemacht haben.

Verlust an deutscher Kultursubstanz

Die Flucht der führenden Schicht aus der Ostzone, des Adels, der Fabrikanten, der Verleger, hat nicht nur zur Folge gehabt, daß ursprüngliche und seit langem bestehende Lebenszusammenhänge aufgehoben worden sind.

Literatura gegen Literatur

Eine Serie von Kultura-Wochen bezeichnet die Etappen eines heißen Kampfes. Es begann mit dem 175. Geburtstag des Moskauer „Großen Theaters“, das einmal berechtigten Weltruf genossen und sich nun unter der direkten Führung der Partei verächtlich von der westlichen „morbiden Salonkultur“ ab- und der wahren, nämlich der bolschewistischen, Volkskunst zugewandt hat.

Weltraumfahrt ohne Legitimation

Der Aufbruch der Menschheit in den Weltraum ist heute kein bloßes Hirngespinst mehr. Als erste Ziele, hat man sich den Mond und den Mars aufs Korn genommen.

Die Erbsünde aller Hochkulturen

Eben erst ist der Vorhang aufgezogen, kaum hat das große Spektakelstück der Tragedia Humaine mit Sündenfall und Paradiesesaustreibung recht bewegt begonnen, da ereignet sich auch schon die erste Gewalttat der Menschheitsgeschichte, und Kain erschlägt seinen Bruder Abel.

Der Greis in Übersee

Am Radio sitzt eine alte Frau. Sie hält die Hände im Schoß gefaltet. Sie schmunzelt mit, wenn drüben das Gelächter losgeht. Es ist wie eine Lachmaschine, und sie macht ausgezeichnetes, unwillkürliches, ansteckendes Gelächter, genauer gesagt, es ist eine Rätselsendung aus Übersee.

Ein unbekannter Brief Hölderlins

Der Unstern über dem Leben Hölderlins hat auch noch die Zeugnisse dieses Lebens: seine Briefe, schwer betroffen. Viele sind verschollen, die vermutlich wichtigsten – an Diotima und Sinclair – für immer verloren.

Südfrüchte: für uns „essential goods”

Die Frage nach der Zweckmäßigkeit umfangreicher deutscher Obst- und Südfruchtimporte steht wieder einmal zur Diskussion. Hierbei geht es nicht allein um die vorgesehene Sonderbelastung durch die Aufwandsteuer, sondern mehr um grundsätzliche Erwägungen.

Exportförderung noch lückenhaft

Solange es der Bevölkerung Westdeutschlands verboten war, ihren Lebensunterhalt im Wege des Export selbst zu verdienen, war sie von den Zuwendungen und Lieferungen der Vereinigten Staaten abhängig.

Der letzte Sprung?

Man kann den Weg des Bundesbahngesetzes, mit dem sich der Vermittlungsausschuß zwischen Bundestag und Bundesrat nach seinen Ferien befassen will, fast mit einem Hindernisrennen vergleichen.

Pfund-Gerüchte

Schatzkanzler Gaitskell bezeichnete die Gerüchte über eine neue britische Pfund-Abwertung als „völligen Unsinn“. Sir Stafford Cripps sagte vor gut zwei Jahren freilich das Gleiche.

Käufermarkt in Schweden

Als im Frühjahr die Preise auch in Schweden, angeregt von den Vorgängen auf dem Weltmarkt, munter in die Höhe kletterten, da behaupteten sich viele Wochen lang zähe Gerüchte über eine angeblich bevorstehende Aufwertung der Schwedenkrone gegenüber dem Dollar.

Höherer Pachtzins kein Symptom

Nehmen wir an, die Mietzinsen würden freigegeben. Niemand wird zweifeln, daß dann auch die Altmieten alsbald erheblich steigen würden.

Der Herr Minister wirbt jetzt Anzeigen

Der Innenminister des Landes Schleswig-Holstein will einen großen Plan zur Tat werden lassen: seine Gesundheitsabteilung bereitet eine künstlerisch-wissenschaftliche Aufklärungsschrift über das Krankenhauswesen des Landes vor.

Wie es zur Flaute kam

Die in Holland herrschende Unsicherheit über den ökonomischen Zustand droht immer krassere Formen anzunehmen. Man erwartet, noch im September einschneidende Maßnahmen der Regierung.

Das Koordinationsgespräch

Die Notwendigkeit der Koordinierung aller Messeinteressen hat nun zu den ersten bescheidenen Erfolgen geführt. Man darf aber in diesem Zusammenhang nicht übersehen, daß das lange Zögern in dieser Frage ebenfalls erste Folgen – allerdings negativer Art – brachte.

Messen als Konjunkturspiegel

Wer von der 46. Hamburger Textil-Mustermesse – mit 800 Ausstellern auf einer Ausstellungsfläche von nahezu 17 000 qm die größte seit ihrem Bestehen – besondere Überraschungen erwartete, wurde enttäuscht.

Neuerscheinungen für die Wirtschaft

Das von weiten Kreisen der Wirtschaft seit langern vermißte Nachfolgewerk des bewährten Reichs-Branchen-Fernsprechbuches (das Deutsche Branchen-Fernsprechbuch für die Bundesrepublik und Berlin) ist nach l 1/2jähriger Vorbereitungsreit wieder erschienen.

Köln: Festpreise angestrebt

Die Kölner Haushalt- und Eisenwaren-Messe begann mit kritischen Worten. Sie wurden auf einer Pressekonferenz von dem Verband Deutscher Eisenwarenhändler (VDE) vorgebracht, der der eisenschaffenden und eisenverarbeitenden Industrie vorwarf, sie liefere nicht einmal mehr die einfachsten Baubeschläge für den Wohnungsbau, weil daran offenbar „nicht genug zu verdienen“ sei.

Gestapo-Agenten wieder im Amt

Für die Arbeit des MWD in der SMA ist folgende Tatsache bezeichnend. Seinerzeit wurde die Nachforschung nach ehemaligen deutschen Gestapo-Beamten und die Einrichtung eines entsprechenden Archivs mit größter Aufmerksamkeit betrieben.

Wie die SED erfunden wurde

Gleich in den ersten Tagen nach der Kapitulation bemühte sich die SMA, die Stellung der Kommunistischen Partei Deutschlands – KPD – mit allen Mitteln zu stärken und ihre Autorität im deutschen Volk zu festigen.

Minimalwohnungen für Asoziale

Die Knappheit des Wohnraums, in unseren Tagen hat einen besonderen Typ von Großstädtern herangezüchtet: den unverträglichen, schikanösen, bei jedem kleinsten Anlaß randalierenden, auf Erschleichung kleinster Vorteile erpichten Unter- und Mitmieter.

Hat die Erde Raum für alle?

Politik ist Schicksal“, sagte Napoleon. Hunden Jahre später widersprach ihm Walther Rathenau und sagte: „Wirtschaft ist Schicksal“.

Freude am Glanz

Wenn königliche Prinzessinen 21 Jahre altwerden, oder Erzherzoge und Herzöge heiraten, wenn Schönheitsköniginnen erwählt werden oder Filmprinzessinnen sich scheiden lassen, so lieben es die Gazetten nicht nur in Königreichen sondern heutzutage auch wieder in Republiken, ausführlich und bilderreich über diese mehr oder weniger privaten Ereignisse zu berichten, und die Wochenschauen halten Könige beim Gratulationskuß im Bilde fest.

Dreimal Königin

Das nicht vielmehr als vierzig Jahre währende Leben einer Frau von Format (so würde man heute sagen), die einmal Königin von Dänemark und zweimal die von Schweden wurde, die liebte, haßte, Kinder gebar, mordete, schwach werden konnte und mit kluger Energie die Politik zu meistern wußte, kurz, eine unbändig vitale Frau des zwölften Jahrhunderts, entwickelt sich auf sechshundertundacht Romanseiten so farbig, geistvoll und (was bei ähnlichen Sujets selten ist) echt und wirklichkeitsnah, daß der blasse Titel und der desto buntere Schutzumschlag des Buches (Waldemar Brögger: Dreimal Königin Verlag Christian Wolff, Hamburg, Leinen 18,80 DM) als ganz widersinnige Abschreckung von der Lektüre anmuten.

In flagranti

Kunst und Ruhm – sie wurzeln bei Guy de Maupassant in der novellistischen Treffsicherheit, „die Menschheit auf frischer Tat zu ertappen“.

Bürger oder Partisan

Der Bürger des vorigen Jahrhunderts konnte um seine Freiheit noch als Bürger kämpfen. Bürgerlichkeit war eine stabile, gegebenenfalls wehrhafte Angelegenheit.

Als alle Sieger waren

Doch Staunen und Mitleid gehörten nicht zu den Passanten der Fifth Avenue“ – so steht es in einer Erzählung des amerikanischen Schriftstellers Ulrich Becher, geboren zu Berlin, aufgewachsen in Österreich und der Schweiz, gewandert in Brasilien und gelandet in New York.

SPORT DER ZEIT: Kleben und kleben lassen

Unter dem Titel „Was wollt ihr in Helsinki?“ hat sich Joachim Besser in der „Welt am Sonntag“ mit dem Plan der Entsendung einer Fußball-Mannschaft zu den Olympischen Spielen des nächsten Jahres beschäftigt.

Von der anderen Seite

Im ersten Weltkrieg fanden die heroische Flucht der „Emden“-Mannschaft auf dem alten Segelschoner „Ayesha“ wie die wagnisvollen Fahrten des „Hilfskreuzers Möve“ auch die Anerkennung des Gegners.

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