Und was tust Du?“ So hieß in der Hitlerzeit ein Plakat, das die Bevölkerung zur äußersten Bereitschaft aufrufen sollte. Die Antwort, die einmal ein Berliner darunter malte, lautete: „Ick zittere.“ Das dürfte heute die Reaktion der SED-Regierung in Berlin auf die 14 Punkte sein, in denen die Bonner Regierung und die Opposition die Vorschläge für gesamtdeutsche Wahlen zusammengefaßt haben.

Die erste Reaktion der Ostregierung war ablehnend. Aber die Einberufung der Volkskammer auf Veranlassung von Karlshorst zeigt, daß es dabei nicht bleiben wird. Denn den Sowjets scheint kein Preis zu hoch, Westdeutschland aus der Organisation der westlichen Verteidigung herauszuhalten. Es mag allerdings sein, daß der Kreml das Tempo seiner Bemühungen jetzt ein wenig verlangsamen wird. Denn auch ihm dürfte nicht entgangen sein, daß die Washingtoner Beschlüsse, die ihn gleich nach Beendigung der Konferenz zu dem Angebot gesamtdeutscher freier Wahlen veranlaßt hatten, für die Bundesrepublik bei näherem Zusehen keineswegs so günstig sind wie man zunächst gemeint hatte. Die konkurrierende Doppelgleisigkeit der sowjetischen Politik: den Westdeutschen vorzugaukeln, ihr Wunsch, die Brüder jenseits der Elbe aus dem östlichen Bann zu befreien, sei durch Neutralisierung ganz Deutschlands möglich, und gleichzeitig an die Furcht des Westens vor Deutschland zu appellieren, scheint sich durchaus zu bewähren. Offenbar ist der Rapallo-Komplex des Westens neu erwacht. D